Samstag, 11. Januar 2014

Wörter sind die Quelle aller Missverständnisse: "Der kleine Prinz"

In der Vorweihnachtszeit werden ja gern bekannte Stücke aufgeführt.  Solche die einem so richtig zu Herzen gehen. Bei denen es einem innerlich warm wird. Nicht immer fehlt bei dieser Art Aufführung eine gewisse unfreiwillige Komik, vor allem wenn sich die örtlichen, angehenden Mimen so richtig ins Zeug legen. Von eben so einer Aufführung von "Der kleine Prinz" berichteten neulich Freunde beim Glühwein. Das kann einem Literatur so richtig vergrausen. Viel zu schade, dachte ich und habe das Büchlein noch mal zur Hand genommen.

Sicher kennt jeder die Geschichte um den kleinen Prinzen, der vom Asteroiden B612 auf die Erde fällt, weil er sich mit seiner "Blume" gestritten hat. Er versucht im Folgenden seinen Horizont zu erweitern, trifft dabei Könige, Eitle, Säufer und Laternenwächter. Vor allem stößt er auf den abgestürzten Piloten, der nur 8 Tage Zeit hat, sein Flugzeug mitten in der Wüste wieder auf Vordermann zu bringen, sonst muss er verdursten. Meine persönliche Lieblingsgeschichte in dem Buch ist die mit dem gezähmten Füchschen. Ja, liebe Freunde des guten Buches. Man muss sich vorher immer gut überlegen, ob man jemanden zähmen will. Am Ende hat man nämlich die Verantwortung für dieses Wesen.

Beim Wiederlesen kam mir der Text ziemlich moralisch und recht schlicht vor. Aber darin liegen wohl genau der Erfolg und die Überzeugungskraft der Geschichte. Man identifiziert sich sofort mit dem kindlichen Prinzen. Denn wer will schon zu den blöden Erwachsenen gehören, wir hören doch alle mit dem Herzen gut. Oder?

Antoine de Saint-Exupéry
Saint Exupery 1942
Antoine de Saint Exupéry widmete das Buch seinem Freund Leon Werth. Er tat das in einer schweren Zeit. In der Welt wütete der 2. Weltkrieg. Werth war aus Paris in die Berge geflohen, ins französische Jura.  Saint Exupery selbst lebte 1943 bereits drei Jahre in Amerika. Wahrscheinlich vermisste er seinen Freund sehr und musste oft an dessen schweres Leben im Kriegseuropa denken. Wenige Monate nach Erscheinen des Buches stürzte seine Maschine tatsächlich über der algerischen Wüste ab. Der Pilot wurde nie gefunden. Seinen Tod umgibt seit dem etwas Mystisches. Das hat sich dann wohl auch in die Geschichte gemogelt. Hatte Saint Exupery sein Ende vorausgeahnt, war er im Exil so traurig und verlassen, wie der kleine Prinz, der sich am Ende der Schlange ausliefert? Wollte er mit seinem letzten schriftstellerischen Werk ein Zeichen für die Freundschaft und Liebe setzen? Wir wissen es nicht. Klar ist nur, dass die Kritiker das Buch nicht mochten. Zu simpel für Erwachsene und zu schwierig für Kinder. Es gehört heute zu den 20 am meisten gelesenen Werken in der ganzen Welt.

Und da ich nicht nur Listen liebe, sondern auch Querverweise, habe ich ein paar davon zusammengetragen.

Zuerst Videos von einem meiner Lieblingsfotografen. Anton Corbijn hat sich für "Enjoy The Silence" vom kleinen Prinzen inspirieren lassen. Es ist wirklich niedlich wie Dave Gahan im Königsmantel durch die grüne Landschaft wandert und sich in seinem Liegestuhl den Sonnenuntergang anschaut. Das Buch muss dem Sohn eines protestantischen Pfarrers wirklich viel bedeutet haben, denn später zitiert er es in seinem Video für Coldplays "Viva La Vida" noch einmal. Chris Martin gibt den suchenden König nicht weniger anrührend.

Natürlich fragt man sich beim Lesen des Buches, wer mag die Rose des Prinzen sein? Saint Exuperys Rose war die feurige Salvadorianerin Consuelo. Sie war seine Muse. Er war ihr nicht treu (5000 Rosen, die im Garten blühen). Er stritt sich oft mit ihr und sie ordnete sich nicht unter (der ungezähmte Fuchs). Immer liebte er sie heiß und innig, so wie sie ihn. Sie schrieb ihm nach seinem Absturz noch lange Briefe. Die erreichten ihn nie, fanden aber wie "Der kleine Prinz" eine große Leserschaft. Über diese große Liebe gibt es einen Spielfilm "Saint-Ex" aus dem Jahr 1996 mit Bruno Ganz, Miranda Richardson und Daniel Craig.

Nicht unerwähnt bleiben soll eine Platte des Liedermachers Kurt Demmler "Die Lieder des kleinen Prinzen". Ich hab die Platte wirklich gern und oft gehört: Märchen;  Prinzen ; Vergänglich . Heute kann ich das aber nach den schweren Missbrauchsvorwürfen gegen den Liedermacher und Texter nur noch mit gemischten Gefühlen tun. 

Fazit: Immer noch ein sehr schönes Buch, das einem das Herz wärmt. Ohne den Kontext seiner Zeit wirkt es ein wenig kitschig.


Sonntag, 5. Januar 2014

James Salter " Ein Spiel und ein Zeitvertreib"


33 Jahre lang hatte er kein Buch veröffentlicht. Im Herbst 2013 erschien dann sein Roman "Alles was ist". Der Verlag behauptet zwar, dieser sei lange erwartet worden. Die Wahrheit ist aber wohl: James Salter stand immer im Schatten anderer erfolgreicher amerikanischer Autoren, wie Philipp Roth oder John Irving. Er hatte auch nicht den gleichen Erfolg bei den Lesern. Gleichwohl galt er gerade den oben genannten Schriftstellern als ein Meister des Wortes. In Deutschland ist er sogar erst 1998 erstmalig entdeckt worden.

"Ein Spiel und ein Zeitvertreib" liegt sicher wegen des großen Herbsterfolges seines Alterswerkes (Er zählt inzwischen 88 Jahre.) auf dem Büchertisch. Zu wünschen ist dem Roman eine große Leserschaft.

Worum geht es? Nun, zum einen liest man die Geschichte des Erzählers, der Mitte der 1960er Jahre in Frankreich weilt. Er ist Fotograf und reist durch das Land. Dabei fotografiert er die französische Lebensart, in die er sich, wie Salter selbst, ein wenig verliebt hat. Auf einer seiner Reisen trifft er Phillip, mit dem er sich schnell befreundet. Er ist fasziniert von dessen Versuchen, ein Leben jenseits der gängigen Konventionen zu führen. Vor allem beobachtet er mit Neugier und Eifersucht die Beziehung zur jungen Anne-Marie.

Zum anderen kann man sich von den gelungenen Beschreibungen Salters begeistern lassen. Egal ob es die Schilderung des erwachenden Dezembermorgens in einer französischen Kleinstadt ist, der Ausflug des Pariser Jet-Sets in eine Jazz-Bar oder die vergebliche Sehnsucht des Erzählers nach seiner Nachbarin Claude. Salter ist ein Erzählgenie. Worte werden hier wie Perlen zu Sätzen aneinander gereiht. Purer Genuss! Wenn man über Salter liest, steht oft, er sei ein Meister des kinematographischen Erzählens. Ich weiß zwar nicht genau, was damit gemeint ist, aber es hört sich richtig an. Mit einer Leichtigkeit schreibt er über Dinge, die sind. Er findet Sätze, bei denen man denkt: "Ja, genau so fühlt sich das an."

Beim Erscheinen von "A Sport and a Pastime" im Jahr 1967 hatte Salter sich gerade von seiner Militärlaufbahn verabschiedet. Um Geld zu verdienen, schrieb er Drehbücher in Hollywood. Vielleicht kommt daher seine Gabe, Ereignisse, Personen, Orte so bildhaft zu schildern.  Großes Aufsehen erregte das Buch vor allem durch die ebenfalls sehr kinematographisch geschilderte Liebesbeziehung zwischen Philip und Anne-Marie. Die Leser reagierten teilweise schockiert auf den Roman. Salter selbst glaubt, dass seine Leser nicht vor der Geschichte einer Leidenschaft zurückgeschreckt sind, sondern weil sein Blick auf die Figuren "zu direkt und offenbar allzu voyeristisch" war.

2013 schreckt dieses Buch sicher niemanden mehr. Im Gegenteil, mit bewundernswerter Klarheit schildert er nicht nur die Beziehung der beiden und deren Scheitern, sondern auch die Sicht des Erzählers auf das Liebespaar. Dieser muss sich dabei seinen verborgene Sehnsüchten, Verklemmungen und nicht eingestandenen Leidenschaften, die er erst durch die beiden zu Tage fördern kann, stellen.

Fazit: Ein MUSS für alle die Frankreich mögen, denn die Schilderungen der französischen Städte und Dörfer in den 1960er Jahren macht neugierig. Man will da einfach mal vorbei fahren. Ein MUSS auch für alle, die sich an gelungenen Sätzen erfreuen können. Einfach nur so.

Wer mehr über James Salter lesen möchte und was er selber zu seinem Werk sagt, kann das hier tun:
Salter bei "Perlentaucher"
Salter in der "Welt"
Salter in der "Zeit"



Mittwoch, 1. Januar 2014

Erotische Mysterien mit "Der Geliebte des dritten Tages"

Anfang der 2000er Jahre gab es in der Raumerstraße mitten im Prenzlauer Berg eine kleine Buchhandlung. Die hieß "Lustwandel". Sofie Hack und Stefanie Kuhnen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, erotische Literatur in allen Facetten an ein Publikum zu bringen. Ich habe diese Buchhandlung geliebt. Leider haben das offenbar nicht ebensoviele Leserinnen und Leser in der Nachbarschaft getan, denn 2007 gaben die beiden Frauen auf. Sehr schade. In meinem Bücherregal haben sie dennoch ihre Spuren hinterlassen. So manche anregende, literarische Stunde haben ich den beiden zu verdanken. Wer ein wenig mehr über das Credo der beiden wissen will und warum ich mich in dem Laden so gut aufgehoben gefühlt habe, kann das in einem Interview mit der "Zeit" nachlesen: Ganz unschlüpfrig

Empfohlen hatten sie mir auch Gert Heidenreich "Der Geliebte des dritten Tages". Das Buch schlummerte in meinem Regal. Nicht weil mich der Titel nicht ansprach. Ganz im Gegenteil. Es war das Foto auf dem Cover. Ich fand das irgendwie extrem unsexy. 70er Jahre unsexy. Das paarte sich dann noch mit "Elke Heidenreich" an die man bei Gert leider auch immer sofort denken muss, obwohl die beiden es nur eine relativ kurze Zeit miteinander ausgehalten haben. Erotik und Sex sind so ziemlich das Letzte was mir dabei in den Sinn kommt. So konnte ich mich lange nicht durchringen, das Buch zu lesen.  In diesem Winter fand es aber nun endlich seinen Weg in meinen Koffer.

Zum Glück! Gert Heidenreich hat 13 Geschichten geschrieben. Schöne Erzählungen sind das. Über Jonas Milchhaut, der an der Bigotterie in einer nicht weiter benannten Landeshauptstadt (mir fallen dazu mindestens zwei ein...) verzweifelt; über Martin, der sich unsterblich in die Frau im Weißdorn verliebt und über den Maler, der DAS Blau sucht und Anna und Julie findet.

Gert Heidenreich weiß natürlich, erotische Mysterien entstehen nicht nur durch explizite Beschreibungen. Er gibt seinen Lesern ausreichend Anregungen, um im Kopf erotische Spannungen aufkommen zu lassen. Es liegt natürlich im Auge des "Betrachters" was als erotisch empfunden wird: die schwüle Hitze Kairos oder Kartoffelpüree auf dem Körper. Nicht alle seine Erzählungen sind vordergründig auf das Erotische abgestellt. Teilweise setzen sie sich sehr kritisch mit Sexualität, Liebe und Trieb auseinander. Klingt anstrengend. Ist es aber gar nicht, sondern sehr amüsant.

Zu erwähnen ist noch, Heidenreich ist ein guter Autor. Es macht großen Spass seine Sätze zu lesen. der schöne Titel gibt einen Vorgeschmack auf seine Kunst. Mit knapp 200 Seiten ist der Erzählband schmal. Ideal für den Nachttisch oder für die Bahnfahrt!

Fazit: Amüsant und lesenswert.

Andere gute Bücher, die ich "Lustwandel" zu verdanken habe, sind:

Tobsha Learner : "Qiver" und "Madonna Mars"
Nicholson Baker  : "Vox" und "Die Fermate"
Lily Prior : "La Cucina Siciliana oder Rosas Erwachen"
Sophie Andresky : "Feucht".

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Wenn ich nachts nicht schlafen kann ...

... höre ich diese wunderbare Compilation: TV Noir Zwei. Da sind 15 wunderbare Songs zusammengetragen worden, von Künstlern, die alle mal bei TV Noir zu Gast waren. Zu hören sind Bosse und Max Prosa, Juli und Klee. Internationale Gäste bereichern die Zusammenstellung gleichermaßen. Schon fast vergessen und doch sofort wiedererkannt, singt Heather Nova "Everything Changes. William Fitzsimmons besingt die "Birds of Winter Prey". Meine Lieblinge auf der Platte sind Bosse und einfach genial Simon the Russian "Go with no Pain". Ich versteh zwar nur ein paar Worte russisch aber mehr ist auch gar nicht nötig, die Musik spricht für sich selbst.

Wer mal reinhören will, kann das auf Spotify tun. Aber die Platte ist es auf jeden Fall Wert, gekauft zu werden. Das geht auf der Seite von TV Noir .

Ich habe auf youtube den Channel abonniert. In regelmäßigen Abständen werden da die neusten Auftritte in der Show gezeigt. Auch da gibt es sehr viele und schöne Sachen zu entdecken.

Diese hier zum Beispiel:
Unter meiner Haut - Cäthe
Set out to discover - Rue Royal
Regen - Enno Bunger und und und.

Unbedingt reinhören!

Samstag, 7. Dezember 2013

Love Food Menue: Martin Suter "Der Koch"

Ein Buch für die Köche unter den Leseratten. Himmlische Rezepte werden uns Lesern präsentiert und man will sofort auch ein Love Food - Menü haben. Oder es selber kochen. Dazu wird allerdings allerlei neumodischer Kram gebraucht, also liest man einfach weiter und verspeist die Leckereien in seiner Phantasie.
Ansonsten routinierte Geschichte von Martin Suter, der ja schon bewiesen hat, dass es spannende Gesellschaftsgeschichten erzählen kann.
Was für zwischendurch...