Montag, 29. Oktober 2012

Orson Scott Card "Das große Spiel" (Ender´s Game)



Nach einige guten und zuletzt eher mittelmäßigen Büchern der TOP 100 Science Fiction und Fantasy-Literatur habe ich in knapp 1 1/2 Tagen ein ganz und gar großartiges Buch gelesen, den Roman "Ender´s Game" von Orson Scott Card. Bereits 1977 hatte Card eine Geschichte mit gleichem Titel verfasst, die er später noch überarbeitete und für die er 1985 mit mehreren Preisen versehen wurde.

Es geht um die Geschichte eines Jungen (Ender Wiggins) der hochbegabt ist, weil er in einem langjährigen Genprojekt quasi gezüchtet wurde. Auf Grund seiner Eigenschaften wird er schon im Alter von 6 Jahren auf eine Art Militärschule geholt. Vorher wurde er lange Zeit über einen Monitor beobachtet. Die Militärs suchen nach einem Strategen, der die Erde gegen die "Krabbler" einer insektenartigen Alienspezies verteidigt. Und so setzt sich das Züchtungsprogramm unbarmherzig fort.

Das Buch ist brutal, das Buch ist pervers, das Buch ist großartig. Für mich ein einziges Pamphlet gegen den Krieg, gegen militärischen Drill und unbedingten, blinden Gehorsam. Ein Buch über Manipulation, Macht über Individualität und Freiheit. Die Figuren im Buch sind so wunderbar gezeichnet, man will weinen vor Mitleid, vor Schmerz, der den Kindern angetan wird. Man will einschlagen auf dieses perfide, total entmenschlichte System. Die Geschichte geht einem aber nicht nur wegen der guten Figurenzeichnung/ -führung und dem spannenden Plot nahe, sondern auch wegen der zuweilen beklemmenden Beschreibung der Umwelt und (Kampf-) Räume. Ohne viele Worte gelingt es Card die Plätze in seinem Roman unangenehm werden zu lassen, man fühlt förmlich, wie man selbst unter solchen Umständen degenerieren würde und wie schwer es wäre sich dem entgegen zu stellen, zumal wenn man gerade 6 Jahre alt ist.

Der Roman hat viele Preise gewonnen, ist aber auch hart kritisiert worden. Erfreulich an der deutschen Neuauflage ist, dass im Vorwort des Verlages und dem des Autors selbst darauf eingegangen wird. Zur Sprache kommt der mormonische Hintergrund Cards, der in dem Roman nur an wenigen Stellen in Äußerungen zu Religion im Allgemeinen zur Sprache kommt. Aber auch, dass das Buch in einigen amerikanischen Militärschulen zur Grundausbildung gehört. Dem Autor wird oft ein Hang zum Militarismus vorgeworfen.

Ich kann das nicht nachvollziehen. Natürlich wird ausgiebig über Militärstrategie geredet. Im ganzen Buch kann ich aber nicht eine Figur finden, die in Bezug auf Armee und Krieg positiv besetzt ist. Insofern läuft die Kritik für mich ins Leere. Aber natürlich, der Kontext eines Buches und was daraus am Ende für den Leser wird, entsteht im Kopf dessen und seiner Rezeption. Will ich deshalb, dass solche Bücher nicht mehr geschrieben werden? Nein, ganz und gar nicht. Solche Bücher sind wichtig, denn sie halten uns den Spiegel vors Gesicht. 1977 geschrieben und die Geschichte ist heute noch so aktuell wie damals. Die USA waren gerade im Vietnam-Krieg, das Wettrüsten nahm seinen Lauf. Seit dem hat sich einiges geändert, aber immer noch werden Jungen und Mädchen, Männer und Frauen in den Krieg geschickt, Menschen manipuliert und beeinflußt. Also Ihr Autoren dieser Welt, schreibt mehr solche Bücher. Bringt uns zum Nachdenken, mahnt uns!

Und passend zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=KjNJmwwf7QA  Wake me up, when september ends...

Eine Hintergrundinformation für Liebhaber von alten Computerspielen. Der Mann ist echt lustig... Ihr erinnert Euch an die witzigen Dialoge von The secrets of Monkey Island... hat Orson Scott Card geschrieben.

Terry Brooks "Die Legende von Shannara" Band 1 und 2

Reingefallen. Auf der Liste der 100 besten Fantasy und Science Fiction-Romane steht Terry Brooks „The sword of Shannara“. Auf der Suche nach dem E-Book habe ich aber „Die Legende von Shannara“ runtergeladen. Dabei handelt es sich um einen der Nachfolgeteile, die gerade auf dem Markt sind. Der 2. Teil ist im Oktober 2012 in Deutschland erschienen. „The sword of Shannara“ soll ein Genreklassiker sein. Nun, vielleicht werde ich den auch noch lesen, wenn er in der deutschen Übersetzung erscheint. Zu den beiden Legenden-Büchern kann ich nur eingefleischten Fantasy-Fans raten, die gerade nichts Anderes zu lesen haben. Viel Neues gibt es da nämlich nicht zu entdecken. Es gibt eine Barriere die fällt (hatten wir schon in „Legend of the Seeker“). Geschützt hat diese bislang Menschen, Elfen, Spinnen und Echsen (Grundinventar von Fantasy-Geschichten) vor der Außenwelt, die sich in einer Art Endkampf selbst vernichtet hatte. Übrig geblieben sind dort Gift, Ödnis, Mutanten und um das Überleben kämpfende Kreaturen unterschiedlicher Spezies. (Verweise also auf Wüstenplanet, die Turmbücher und auf Charles Darwin... ) Diese fallen nun über die geschützte, heile Welt her. Rettung kommt von dem Stabträger und der Elfenprinzessin (ach ja Drachen gibt es auch noch). Es ist alles routiniert geschrieben. Bei mir kam aber keine rechte Begeisterung auf. Die Dialoge sind teilweise ziemlich hölzern und die Charaktere zu holzschnittartig beschrieben. Ich bin mit der Geschichte nicht richtig warm geworden. Es gab auch zu wenig Überraschendes. Allerdings will ich zu Gunsten des Buches anmerken, dass sie nicht so aufgeblasen ist, wie die letzten Eragon-Teile. Die Geschichte ist spannend genug, ich werde auch auch die Teile, die noch folgen werden, lesen. Fazit: routinierte Fantasy-Literatur, für Genrefans geeignet!

Sonntag, 21. Oktober 2012

Peter S. Beagle, Das letzte Einhorn




Auch in der Fantasy-Literatur gibt es Bücher, die sich und ihre Helden unheimlich ernst nehmen und dann gibt es die, die ihre Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählen. Das letzte Einhorn ist so eine letztere Geschichte.
Ich war ehrlich gesagt etwas erstaunt, als ich das Buch von Beagles auf der TOP 100-Liste fand. Dann hatte auch noch der von mir verehrte Patrick Rossfuss es seinen Lesern ans Herz gelegt. Inzwischen habe ich es gelesen und kann es sehr nachvollziehen.

Die Grundgeschichte kennt wahrscheinlich seit der Disney-Verfilmung jeder. Das letzte Einhorn wird gewahr, dass es allein ist und macht sich auf die Suche nach seinesgleichen. Dabei erlebt es viele Abenteuer und trifft Wesen mit reinem Herzen. In den 70 er Jahren geschrieben, steckt auch noch eine Menge "man sieht nur mit dem Herzen gut" - Philosophie drin. Auf den ersten Blick ein wenig langweilig. Ist das Buch aber gar nicht. Natürlich muss man sich auf die Geschichte einlassen und das viele Rosa, Hellblau und den Glitter der einem unwillkürlich durch den Kopf spukt, verdrängen. Konzentriert man sich auf die Essenz der Geschichte, macht es richtig Spass. Sie ist nämlich wirklich witzig. Kleine feine ironische Dialoge, putzige Figuren, die geradezu subversiv sind, eine gewisse Naivität, die ruft: aber der König ist doch nackt! Sehr lustig!
Es ist also eine wunderbare Familiengeschichte. Kinder werden die kunterbunte, reine Welt lieben, Eltern den Hintersinn dabei. Lest es Euch am Sonntag beim Tee laut vor, Ihr werdet Spaß haben.

Sonntag, 14. Oktober 2012

George R.R. Martin " Das Lied von Eis und Feuer"


Hat man Sean Bean als Eddard Stark in der Fernsehserie "Game of Thrones" gesehen, kann man sich die Figur nicht mehr anders vorstellen. Auch die Mauer aus Eis ist phantastisch getroffen. Aber diese Bilder wären für mich gar nicht nötig gewesen. Martin entwirft ab der ersten Seite einen Epos, dem Fantasy-Fans nicht widerstehen können. Natürlich sind die Zutaten nicht neu: da sind die edlen Helden, wahre Ritter denen Ehre und Familie noch etwas bedeuten. Es gibt die richtig fiesen Bösewichte, holde Maiden, dreiste aber kluge Marketenderinnen, und exotische Schönheiten. Alle haben miteinander wahlweise schmutzigen, wilden oder leidenschaftlich, romantischen Sex. Es wird viel intrigiert, geliebt, gehasst, gekämpft, gestorben und gefroren. Das alles reicht mir als gute Zugfahrunterhaltung nach der Arbeit schon aus, vor allem, wenn es in ordentliche Sätze und Dialoge gehüllt ist. Besonders an der Geschichte ist für mich, dass vieles nicht vorhersehbar ist. So stirbt einer der großen Helden und starken Figuren der Geschichte bereits im letzten Drittel des ersten Buches. Das ist eben wie im richtigen Leben, da sterben die Guten auch oft viel zu früh. Man bleibt als Leser dennoch bei der Geschichte. Der EINE Held ist bei einer so dichten Erzählung gar nicht unbedingt notwendig.

Inzwischen gibt es 10 Bände über das Spiel der Throne. Natürlich verfällt auch George R. R. Martin den Verlockungen des Geschäftes. Von Buch zu Buch gibt es mehr Personen, die Detailtiefe nimmt zu. Nicht alle fesseln, manches ist redundant. Das nervt und schmälert das Lesevergnügen. Gerade bei den Mittelbänden wäre weniger mehr gewesen. Es kann allerdings sein, dass sich die englische Originalausgabe besser liest. Da sind nämlich erst 5 Bücher erschienen. In Deutschland hat sich der Verlag entschieden, diese in 10 Bände aufzuteilen.

Fazit: Für mich trotzdem eine wunderbare Saga, die zu Recht ihren Platz in den TOP 100 de Fantasy-Literatur gefunden hat. Jetzt heißt es wie bei Kvothe und Sonea und Sooki ... waiting sucks!