Mittwoch, 11. Dezember 2013

Wenn ich nachts nicht schlafen kann ...

... höre ich diese wunderbare Compilation: TV Noir Zwei. Da sind 15 wunderbare Songs zusammengetragen worden, von Künstlern, die alle mal bei TV Noir zu Gast waren. Zu hören sind Bosse und Max Prosa, Juli und Klee. Internationale Gäste bereichern die Zusammenstellung gleichermaßen. Schon fast vergessen und doch sofort wiedererkannt, singt Heather Nova "Everything Changes. William Fitzsimmons besingt die "Birds of Winter Prey". Meine Lieblinge auf der Platte sind Bosse und einfach genial Simon the Russian "Go with no Pain". Ich versteh zwar nur ein paar Worte russisch aber mehr ist auch gar nicht nötig, die Musik spricht für sich selbst.

Wer mal reinhören will, kann das auf Spotify tun. Aber die Platte ist es auf jeden Fall Wert, gekauft zu werden. Das geht auf der Seite von TV Noir .

Ich habe auf youtube den Channel abonniert. In regelmäßigen Abständen werden da die neusten Auftritte in der Show gezeigt. Auch da gibt es sehr viele und schöne Sachen zu entdecken.

Diese hier zum Beispiel:
Unter meiner Haut - Cäthe
Set out to discover - Rue Royal
Regen - Enno Bunger und und und.

Unbedingt reinhören!

Samstag, 7. Dezember 2013

Love Food Menue: Martin Suter "Der Koch"

Ein Buch für die Köche unter den Leseratten. Himmlische Rezepte werden uns Lesern präsentiert und man will sofort auch ein Love Food - Menü haben. Oder es selber kochen. Dazu wird allerdings allerlei neumodischer Kram gebraucht, also liest man einfach weiter und verspeist die Leckereien in seiner Phantasie.
Ansonsten routinierte Geschichte von Martin Suter, der ja schon bewiesen hat, dass es spannende Gesellschaftsgeschichten erzählen kann.
Was für zwischendurch...

Mittwoch, 4. September 2013

Wie weit willst Du gehen?

An diesem Abend läuft auf CNN live die nächste große Lüge über die Bildschirme. Es wird Krieg geben in Syrien. Erstaunlich, dass sich der Präsident überhaupt noch bemüßigt fühlt, eine Begründung zu liefern. Glauben kann man die eh nicht mehr.

Schnitt.

Vögel ersticken an dem Ölfilm, der über ihre Körper geschwemmt wurde. Fische schwimmen tot im Ozean, weil es keinen Sauerstoff mehr gibt. Ein vierjähriger Junge stirbt, weil seine Mutter ihn jeden Tag badet. Das Wasser ist mit Arsen vergiftet. Die Konzerne verdienen an all dem Billiarden. Unwillkürrlich stellt sich Wut ein, Zorn und das Gefühl von Hilflosigkeit.

Was, wenn es eine Möglichkeit gäbe, Gerechtigkeit herzustellen, die Bösen zu bestrafen, die Guten wachzurütteln? Eine Revolution anzetteln? Denn um nichts weniger geht es "The East". Schon zu Beginn ist diese Gruppe, die sich "The East" nennt, ein Mythos. Das Bekennervideo auf youtube will keine Zweifel lassen: Ihr da oben, wir haben genug von Euren Lügen, von Euren schmutzigen Taten! Wir kehren zurück zum altestamentarischen "Auge um Auge, Zahn um Zahn"! Schüttest Du Gift in unsere Seen, tun wir das gleiche mit Deinem Pool. Stellst Du uns mit Medikamenten ruhig und sterben wir daran, wird Dir Gleiches geschehen. Eins ist klar: Hast Du Blut an Deinen Händen, kannst Du nicht mehr ruhig schlafen.

"The East" ist so ein Film, der mich sofort packt, weil er genau die Themen berührt, die mir wichtig sind. Gerechtigkeit, Solidarität, Individualität, Genügsamkeit. So viele Facetten werden angesprochen: wie funktionieren Gruppen, gibt es Gleichberechtigung wirklich oder existiert nicht doch immer ein heimlicher Anführer (hier ist es Benji). Und ja, klar fragt man sich, wie weit würde ich gehen. Ist fasziniert von der Konsequenz der Gruppe. Aber auch irgendwie abgestoßen von deren Selbstgewissheit.

"The East" ist ein fragender Film und er ist ein Thriller. Weil die Macher auch unterhalten wollen, wird daraus eine ganz interessante Mischung. Unsere Fragen stellt sich nämlich auch die Protagonistin Sarah, die sich eigentlich in ihrem bürgerlichen Leben sehr wohl fühlt. Erst nach und nach wird sie aufmerksam für ihre Umwelt und lernt, anderen (wieder) zu vertrauen. Aber ist dieses Vertrauen berechtigt? ... wir drehen uns im Kreis... und das ist auch gut so!

Der Film nimmt für sich ein, weil vieles stimmt: die Geschichte, sie ist brisant, aktuell und erschütternd. Es gibt eine allgemeingültige Ebene (Solidarität, Gerchtigkeit, Rache) und eine persönliche (alle haben eigene Motive für ihre Taten), was dazu führt, dass die Handlungen nachvollziehbar sind. Das alles wäre nichts, ohne die wunderbaren Schauspieler. Brit Marling, Ellen Page und Alexander Skarsgard. Ganz großes Kino. Sie sind dreckig, schwitzen, die Angst ist ihnen ins Gesicht geschrieben, wie auch ihre Überheblichkeit. Umwerfend und wunderbar.

Ein persönlicher Film, ein politischer Film. Denn das Persönliche ist politisch. Ist es nicht so?

Fazit: Unbedingt anschauen.

The East official Movie Trailer
Homepage


Montag, 5. August 2013

Konstantin Casper Gropper

Gestern wurde durchaus zu Recht angemahnt in diesem Blog meiner musikalischen Leidenschaft häufiger zu frönen. Das mit einem gewissen Unterton, der mir wohl sagen wollte: Lesen tun ja die wenigsten unter uns.

Wie es der Zufall so will. Ich fahre gerade durch meine Heimatstadt und höre in Ermangelung weiterer Alternativen NDR 2. Da werde ich doch durch den neuen Casper-Song "Ascheregen" hellwach. Was freue ich mich auf lange Autobahnfahrten, bei denen ich dieses Lied in Dauerschleife laut laufen lasse und mitbrülle. Ihr doofen BMW-Audi-Volvo-Opel-Schnellraser. Jetzt könnt Ihr mich mal, ärgern werde ich mich nicht. Denn ich habe Casper:




Mein Sommersong des Jahres!

 Wobei bei dem Song deutlich hörbar nicht nur Casper am Werke ist, sondern auch ein wirkliches Genie der deutschen Popmusik, nämlich Konstantin Gropper. Unvergessen sein Auftritt bei "Roche und Böhmermann" bei dem er nicht nur alle an die Wand gesoffen sondern vor allem die Show gestohlen hat. Aber zurück zur Musik. Get Well Soon. Muss man dazu wirklich noch mehr sagen...?

Ich fürchte schon. Zwar lieben die Kritiker diese wunderbare "Band". Ansonsten ist Konstantin Gropper doch noch ziemlich unbekannt (nicht mal die blöde Charlotte Roche kannte den, aber immerhin die schöne Jessica Schwarz). Deshalb an dieser Stelle ein ohrenbezauberndes Lied des Tontüftlers:


Er selbst sagt im Musikexpress dazu: " Zu diesem Album kann das Millionärssöhnchen im Cabrio sein Baby-Doll durch die Berge um den Gardasee kutschieren, er kann aber auch im richtigen Moment die Medikamente absetzen und ab durch die Leitplanke."

Ich liebe diesen Song, ich mag das Album. Die Tonschnipsel sind betörend. "I hear the voices... what do you think, what I´ve done..." Hach. 

Außerdem verspreche ich an dieser Stelle, mehr über meine augenblickliche Lieblingsmusik zu posten.




Sonntag, 4. August 2013

Stefan macht da weiter, wo Paula aufhört

Neulich habe ich über die vergebliche "Sinnsuche" von Paula Lambert geschrieben. Leider hat sie keinen passenden Partner fürs Leben gefunden. Bei Stefan Schwarz ist das anders. Er hat beinahe zwei Freundinnen gehabt, konnte tatsächlich noch die eine und dann die andere Frau für sich begeistern, um mit ihr eine Familie zu gründen, wie er selber in seiner Kolumne im "Magazin" informiert hat. Tja und genau mit der Gründung seiner Familie fängt für uns Leser der Spaß an. Ob in seiner Textsammlung "Mann in Not" oder in "War das jetzt schon Sex", immer wieder trifft der Leipziger ins Schwarze. Zum Beispiel, wie er zu Vorsicht mahnt, wenn Mann "einen gewissen Strukturwandel im geheirateten Oberschenkel" feststellt. Nein, liebe Leute, das ist nicht der richtige Moment, in dem der Heimtrainer statt der neuen Waschmaschine ins Spiel gebracht werden sollte. Jeder weiß natürlich längst, es gibt KEINEN passenden Moment auf den Verfall am Oberbein einer Frau hinzuweisen. Passiert trotzdem immer wieder und ist zu komisch. Niedlich auch, wie er seine Tochter liebevoll mit "Trollprinzessin" betitelt oder den Nachmittag mit der Familie Dinkelkeks beschreibt. Wir wissen genau, wie sich das anfühlt.
In seinen Texten befasst er sich mit wirklich lebenspraktischen Fragen: braucht ein Mann mit zwei Kindern wirklich noch Qualitätssperma? Muss man der Liebsten beim Vorlesen des Einkaufszettels an den Lippen kleben? Kann man in Würde verglatzen? Stefan Schwarz schreibt über sein Leben... über unser Leben. Und das ist zuweilen eben sehr komisch.

Fazit: Wenn man gerade ein wenig wütend über den Liebsten/die Liebste ist, einfach eines von diesen Büchern in die Hand nehmen. Wir machen alle mal Unsinn oder stellen uns doof an. 10 Minuten später könnten wir eigentlich schon darüber herzhaft lachen. Wie Stefan Schwarz beweist. Vergleiche mit Harald Martenstein und Axel Hacke kommen bei ihm ganz von allein.


Ausnahmsweise mal ein Krimi "Sonnensturm" von Asa Larsson

Beim besten Willen. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, warum ich dieses Buch gekauft habe. Um Krimis mache ich ja schon lange einen Bogen. Nur ganz wenige aktuelle Bücher dieses Genres haben es in mein Regal geschafft. Am wahrscheinlichsten ist, jemand hat mir "Sonnensturm" ans Herz gelegt. Einen Sturm hat das Buch in mir leider nicht entfacht.

Erzählt wird die Geschichte eines Mordes, oben im hohen Norden. Es schneit die ganze Zeit. Ebenso eisig, wie das Wetter kommt auch die ermittelnde Anwältin Rebekka daher. Dafür gibt es gute Gründe, wie man im Laufe des Krimis erfährt. Ermordet wurde ein früherer Bekannter von ihr, Viktor. Mit dessen Schwester Sanna ist Rebekka seit Kindertagen befreundet und die ruft sie zu Hilfe. Wir sind dabei, wenn Rebekka versucht den Fall zu lösen und sich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen muss. Der Fall selbst spielt in einer christlichen Sekte. Angereichert wird er eher langweilig mit den erwartbaren Zutaten. Einerseits die zehn Gebote andererseits Völlerei, Ehebruch, Missbrauch etc. Hmm. Da hätte ich mich wirklich über eine neue Facette gefreut.

Gelungen sind die Schilderung der Charaktere und der verschneiten, eiskalten Umgebung. Larsson versteht es, eine gewisse Atmosphäre herbeizuschreiben. Die Geschichte kann da leider nicht mithalten.

Andere, wahrscheinlich Krimikenner, haben das nicht so gesehen. "Sonnensturm" ist der erste Roman von Asa Larsson. Der wurde gleich mit dem schwedischen Krimipreis ausgezeichnet. Er hat sich sehr gut verkauft und stand lange auf der Bestsellerliste.


Sonntag, 28. Juli 2013

Emma Donoghue "Raum"

Jack lebt mit seiner Mutter in Raum. Nicht in einem oder dem Raum. Nein. Einfach nur Raum. 

Warum das so ist, darum geht es in dem Buch. Im ersten Drittel führt uns Emma Donoghue in die Lebenswelt von Jack. Seine Welt ist 12 qm groß. Er hat 5 Bücher, die er sehr liebt. Seine besten Freunde sind Dora aus dem Fernsehen und Schlimmerzahn, der abgebrochene Zahn seiner Mutter. Sein Alltag ist genau strukturiert. Jeder Tag hat seine Bestimmung und wir lesen, wie Jack sich diese, seine Welt erklärt.

Warum die Welt so ist, wie sie ist und was es damit aufsicht hat, soll hier nicht verraten werden. Klar ist, dass es ein Geheimnis um Raum gibt. Das wird schon nach knapp 100 Seiten gelüftet. Auf den nächsten 300 Seiten lesen wir über die weitere Entwicklung von Jack. Das ist äußerst spannend und psycholgisch interessant. 

Raum ist wegen seiner Geschichte (verdammt ich will nicht spoilen...) ein zutiefst bewegender Roman. Nicht nur gelingt es Donoghue die Geschichte völlig glaubhaft aus der Sicht und mit der Sprache eines fünfjährigen zu erzählen. Sie baut auch einen beeindruckenden Spannungsbogen, der sich nach der Aufdeckung des Geheimnisses auf die psychologischen Tiefen der Mutter-Kind-Umwelt-Beziehung konzentriert.

Fazit: Ein bewegendes Buch. Man braucht starke Nerven. Niemand wird von dieser Geschichte kalt gelassen. Und keine Sorge es wird nicht reißerisch auf die Tränendrüse gedrückt. Legt man nicht mehr aus der Hand.


"Alles über Sally" oder warum die Ehe kein Ponyhof ist

Der Ausgangspunkt der Geschichte um das Ehepaar Sally und Alfred ist ein Einbruch. Beide sind gerade zum Wanderurlaub in England, da bricht jemand in ihr Wiener Haus ein. Während Sally sich beherzt den entstandenen Problemen stellt (Aufräumen, Wände streichen, Verluste bei der Polizei melden), entdeckt Alfred die Ängstlichkeit. Sicher fühlt er sich nicht mehr. Im Laufe der Geschichte stellt man fest, dass er gut daran tut. Denn Sally ist ein echtes Lebeweib. Was Alfred nicht mehr an Tatendrang in der Beziehung aufbringen kann, lebt sie anderswo aus. Sie beginnt eine Affäre mit dem Mann der gemeinsamen Freundin. Das tut ihr gut, sie fühlt sich lebendig. Alfred hütet in der Zwischenzeit das Haus und pflegt seinen Thrombose-Stützstrumpf. Am Ende kommt Sally dennoch zu ihrem wartenden Ehemann zurück. Soviel sei verraten. Warum und wieso muss man selbst erlesen.

Am Anfang fühlt man sich an Alan Bennets "Cosi fan tutte" erinnert. Da ist es nach 30 Jahren Ehe und einem Einbruch auch die Frau, die das gemeinsame Leben umkrempelt. Arno Geiger, der östereichische Autor dieses Romans, meinte auch genau das, in der Realität festgestellt zu haben. Oft sind es die Frauen um die 50, die mit Lebenshunger, Selbstbewußtsein und Mut aus eingefahrenen Wegen ausbrechen und aktiv ihr Leben in die Hand nehmen. Männer hingegen hat er als verhalten und ängstlich erlebt. Eingerichtet in ihrem Leben, bloß keine Veränderungen. Diese Beobachtung war ihm der Anlass für seinen Roman.

Arno Geiger ist ein sehr erfolgreicher Autor. Er hat den Deutschen Buchpreis gewonnen (naja, ob das ein Beleg für Qualität ist, sei mal dahin gestellt...) und er ist ein Liebling der Kritiker  (dito...). Geiger kann schreiben. Das erste Drittel des Romans ist ganz stark. Wie er die Ehe der beiden beschreibt, großartig. Die Flucht in die Affäre, absolut nachvollziehbar. 

Da liest man wunderbare Sätze: "Doch Sally, die lange genug zähneknirschend die tolerante Ehefrau und Mutter gespielt hatte, legt ihr Veto ein mit dem legendären Satz, der alles verhöhnte, was ihr heilig war. "Die Küche gehört mir!" (Ehemann und 3 Kinder bauen im ganzen Haus eine Eisenbahnanlage Spur 0 auf.) 

Oder. "Sally war eindeutig nicht mehr jung, an diesem Julitag, mit diesem Julikörper, Hälfte des Lebens." Hach. schön!

Und als letztes: "Sally jedenfalls tat ihr Möglichstes, den irreführenden und laxen Impressionismus der weichen Ausdrücke zu vermeiden." Davon kann ich gar nicht genug bekommen. 

Leider fesselte mich die Geschichte der beiden, trotz wundervoller Passagen nicht bis zum Ende. Zu sehr beleuchtet der Autor das Innenleben der Ehe, ohne dabei großartig voran zu kommen. Die ist nicht mehr dynamisch, zu Sallys Leidwesen und so kann es wohl auch die Beschreibung darüber nicht sein. Arno Geiger ist als Erzähler zu viel "Alfred". Er versucht beiden Figuren gerecht zu werden, ihre Entwicklung gleichermaßen darzustellen. Das ist etwas langatmig, zumal man durch seine genialen Bilder und Szenen schon längst begriffen hat, was da passiert.

Dennoch. Arno Geiger ist mit der "Sally" eine ganz wundervolle, starke Frauenfigur gelungen. Schön auch, dass man hier mal von einer tollen Frau lesen darf, die sexy, klug, impulsiv, launisch, unvernünftig, abgestumpft und neugierig ist.

Hier kann man hören, wie der Autor das selber sieht: Geiger über "Sally"

Das sagen andere über das Buch: Perlentaucher, deutsche Kritiker im O-Ton

Fazit: Für alle die Angst vor der Lebens-/Ehekrise haben. Für diejenigen, die Alan Bennetts "Cosi fan tutte",  Ian McEwans "Liebeswahn" oder Zeruya Shaleys "Liebesleben" mochten.

Mittwoch, 17. Juli 2013

Im Bett mit Paula

Wer schon mal die deutsche GQ gelesen hat, ist auf jeden Fall bei ihr hängen geblieben: Paula Lambert. Sie ist die Expertin für Zwischenmenschliches, Liebe, Erotik und Sex. Sie sagt immer die Wahrheit und zwar ungeschminkt.Wenn man es nicht so mit Buchstaben hat, lassen einen auf jeden Fall die Fotos verweilen, die Kolumne ist jeweils mit einem hübschen Foto garniert...

Dass es hier um die "Wahrheit" geht, entnimmt man schon den Titeln der Bücher "Keine Panik, ich will nur Sex: Auf der Suche nach dem Mann für jede Lage" und "Eine Frau mit Penetrationshintergrund". Beide wirken auf die intellektuelle Leserschaft sicher leicht abstoßend. Um dennoch den Kauf zu ermöglichen, werden sie in Buchhandlungen nicht bei Erotik einsortiert, sondern bei Sachbuch - Ratgeber Leben und Partnerschaft. Das ist natürlich an sich schon ein Witz, denn wenn Lambert mit diesen Büchern sicher eines nicht wollte, dann Sex-Ratgeber schreiben.

Was es da zu lesen gibt, ist vor allem eins: witzig. Wenn man einem gewissen zotigem Humor nicht abgeneigt ist. Ansonsten: FINGER weg. Paula Lambert schreibt ungeschönt, worüber Frauen untereinander so lästern. Schnell wird klar, sie sind auch nicht besser. Interellekt ist ihnen Schnuppe, wenn Mann unten rum gut bestückt ist. Was genau das allerdings bedeutet, da gehen die Meinungen auseinander. Auch sehr wichtig, Fingerfertigkeit und angemessene Lippenbekenntnisse.

Aber der Reihe nach. "Keine Panik, ich will nur Sex: Auf der Suche nach dem Mann für jede Lage" enthält kleine Geschichten, die sich gut als Zwischendurch-Lektüre eignen. Hier werden Männer kategorisiert. Da gibt es den Esoteriker, den Marathon-Mann, den Winzling, den High-Performer u.s.w.... Paula hatte sie alle. Wir wiederum dürfen an ihren Erkenntnissen teilhaben. Also ich habe mich von Geschichte zu Geschichte gekichert.

Nachdem Paula nun all diese Männer vernascht hat und umgekehrt, ist sie immer noch auf "Sinn"suche. Auch sie läßt sich anstecken von dem Glauben, dass es irgendwo das draußen den Richtigen gibt. Sie beschließt ins Kloster zu gehen. Dort trifft sie einen mysteriösen (heißen) Gärtner, setzt sich mit den sieben Todsünden auseinander und kommt sogar geläutert wieder nach Berlin  zurück (das ist irgendwie enttäuschend.).  Nachzulesen in "Eine Frau mit Penetrationshintergrund".

Ich musste sehr lachen, als ich im Netz die Reaktionen auf ihre Bücher nachgelesen habe. Da wird sich über den geringen Tiefgang beschwert, über Klischees und, dass man sich nicht über kleine Penise lustig machen soll. Sicher, stimmt alles. Aber wer will schon die ganze Zeit so verdammt politisch korrekt sein. Ich nicht, deshalb hatte ich bei beiden Büchern meinen Spaß.

Allerdings will ich einräumen, dass ich jetzt unbedingt mal wieder ein RICHTIGES Buch lesen will.

Einen kleinen Eindruck von den handwerklichen Fertigkeiten der Frau Lambert kann man sich hier verschaffen: Paula Lambert in der GQ. In Wirklichkeit heißt die Autorin Susanne Frömel. Wer mag kann sich im Netz einen netten Text durchlesen. Sie hat sich mit der Frage beschäftigt, ob es eigentlich sinnvoll ist, mit seinen Ex-Freunden befreundet zu bleiben: Fünf Freunde.

Fazit: Humor und Sex gehen zusammen und man landet dabei nicht zwangsläufig bei Fips Asmussen. Wer eine erotische Geschichte sucht, ist hier fehl am Platz. Wenn man allerdings amüsante Geschichten möchte, die sich mit unserer übersexualisierten Welt beschäftigen, ist man mit Paula Lambert gut bedient. 


Sonntag, 14. Juli 2013

Diana Gabaldon - Die geliehene Zeit

Ach, immer diese Sagas. Fängt man erst einmal mit dem ersten Band an, füllt sich die Leseliste schnell um weitere 3 bis 12 Bände. Nicht anders bei Diana Gabaldon. Deren Outlander-Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln und sie lassen sich auch ebenso schnell verputzen. Einfach in den Liegestuhl legen und auf geht es nach Schottland und Paris. Nebenbei bekommt man auf angenehme Art und Weise noch ein paar historische Details über den Jakobitenaufstand von 1745 mit. Ist zwar ziemlich sinnloses Wissen aber das merkt man sich bekanntlich ja am besten. 

Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle, dass es einen ganz famosen Querverweis gibt. In "Die geliehene Zeit" spielt der schottische Prinz Charles eine nicht ganz unwichtige Rolle. Historisch vermerkt wird bei ihm auch der Spitzname "Bonnie Prince Charlie" (der hübsche Prinz Charlie). Da regen sich bei den Liebhabern amerikanischer Folkpopsongs natürlich sofort die Gehirnwindungen. In der Tat hat Will Oldham sein künstlerisches Alter Ego Bonnie Prince Billy zum Teil aus eben dieser Figur entlehnt. Für den Rest musste Billy the Kid herhalten. Nach Lektüre von Gabaldons Roman muss ich sagen, eine interessante Kombination. 



Fazit: Perfekt für Liebhaber historischer Romane, perfekt für den Urlaub.

Samstag, 13. Juli 2013

Game of Thrones: Winter is coming

Es ist natürlich essentiell und gar nicht anders denkbar. Ein Fan von Fantasy MUSS "Game of Thrones" sehen. Wenn man sich durch die bislang erschienen 10 Bücher gelesen hat und beseelt auf den nächsten Band wartet, bietet die HBO-Serie eine prima Überbrückung. All die Charaktere, die man sich gerade noch selbst ausgemalt hat, erwachen visuell zu neuem  Leben. Nun kann das ja durchaus eine echte Enttäuschung sein. Ist es hier aber gar nicht. Im Gegenteil. Irgendwie sah Ned Stark in meiner Phantasie sowieso schon immer genau so aus wie Sean Bean. Mit Rob, Bran und den Wölfen ist es nicht anders. Tyrion, Daenerys, Jaime... ach... bis in die Nebenrollen sehen wir wunderbare Schaupieler, die ihre Rollen ausfüllen. Hinzu kommt die wunderbare Ausstattung. Alle Sets sind auf Kino-Niveau, nie hat man das Gefühl in einer TV-Serie zu sein. Natürlich sind die Geschichten viel zu umfangreich für einen Kinofilm. Selbst in der jeweiligen Staffel können nicht alle Handlungsstränge (und es sind viele) aufgegriffen werden. Trotz der Vielfältigkeit verlieren sich die Macher nicht. Die einzelnen Geschichten sind spannend, man fiebert mit, wird immer wieder überrascht. Und sie bleiben im Plot ganz nah an den Büchern.



Auch meine Flimmerfreunde haben sich die Serie angeschaut. Was sie dazu zu sagen haben, hört Ihr hier: Flimmerfreunde besprechen Game of Thrones. Sehr schön, wie Bernd Begemann uns darüber aufklärt, wie sich aus seiner Sicht die Fantasy-Literatur in den letzten Jahren entwickelt hat. Nicht Tolkin oder Howard sind Vorbild, sondern Shakespeare. George R. R.  Martin nimmt die Rosenkriege zum Ausgangspunkt und verlegt diese nach Westeros. Hier gibt es viel über Politik und deren Mechanismen zu sehen. Ständig finden sich Bezüge zu aktuellen Geschehnissen.

Den klassischen Helden sucht man vergeblich. Keiner ist nur gut und ganz wenige nur böse. Fast wie im richtigen Leben. Für mich definitiv ein Grund, warum die Serie so glaubhaft und spannend ist.

Erfreulicher Weise hat sich der Sender HBO die Bücher vorgenommen. Damit ist gesichert, dass die Welt von Eis und Feuer nicht zensiert wird. Viel Blut, üble Foltermethoden, Dreck und Leid werden gezeigt. Das ist manchmal ganz schön ekelig. Als Ausgleich gibt es dann nackte und schöne Haut zu sehen. Frauen wie Männer dürfen sich präsentieren und tun dies auch ausgiebig. Was wir da zu sehen bekommen, hat nur selten mit Liebe zu tun. Oft aber mit dem Rausch. Irgendwie ganz realistisch. Ein weiterer Pluspunkt.


Fazit: Perfekte Serie, die nicht nur für Fantasy-Fans ein Ereignis ist, sondern für alle, die politische Intrigen, Sex und Blut in Geschichten mögen. Kann man getrost schauen, wenn man die Bücher liebt. Es wird dennoch keine Enttäuschung geben.

Meine Lieblingsgeschichte ist übrigens die jenseits der Mauer. Rob Stark in seinem schwarzen Fellmantel, Bran und Hodor auf der Flucht und das Unheil wartet, denn der Winter wird kommen. 

Und hier kann man noch mal nachlesen, wie mir die Bücher gefallen haben: Das Lied von Eis und Feuer.

Montag, 17. Juni 2013

Charlaine Harris "Sookie Stackhouse Novels"


Ich liebe die HBO-Serie "True Blood" von Alan Ball. Diese wiederum basiert auf den Sookie Stackhouse Novels von Charlaine Harris. Kellnerin Sookie ist Telepathin und kann die Gedanken der Menschen in ihrem Umfeld hören. Das kann ganz schön anstrengend sein (und für den Leser witzig) und deshalb ist sie von Bill fasziniert. Dessen Gedanken kann sie nämlich nicht lauschen, weil er ein VAMPIR ist. Und als wäre das noch nicht genug, gibt es auch noch Gestaltwandler, Hexen, Feen und Werwölfe (natürlich!). Sookie kann sich gar nicht entscheiden, in wen sie sich zuerst verknallen soll: Bill, Eric, Sam, Alcide oder Quinn. In jeder Geschichte wird ein Kriminalfall gelöst, weil Menschen in Sookies Umgebung ums Leben kommen oder verschwinden und sie das unbedingt aufklären muss. Wer mit Übernatürlichem nichts anzufangen weiß, sollte die Finger von den Büchern lassen. Und ansonsten geht es, wie mein Liebster in einem leicht vorwurfsvollen Ton immer wieder sagt nur um eins: Sex, Sex, Sex. Aber ist das nicht das Wesen einer guten Vampirgeschichte?!

True Blood 

Mittwoch, 5. Juni 2013

Tiny Desk Concert: gute Musik gibt es noch in der kleinsten Ecke

Seit ich meinen Führerschein habe, muss ich viel üben. Also fahre ich mit dem kleinen Smart hoch und runter, rechts und links. Es ist soooo öde. Praktisch ja - aber öde. Straße, Straße, Straße...  und ach ja, jede Menge Idioten!!!

Ablenkung ist folglich sehr willkommen. Radio ist bei uns im Norden keine Alternative. Also Iphone mit schicker Musik beladen und losgelauscht.

Tatsächlich habe ich dabei eine Neuentdeckung gemacht. NPR (National Public Radio) macht einen prima Podcast. Der heißt "All Songs Considered" und ist ganz großartig. Wenn man handgemachte, echte Musik mag. Die Leute dort interessieren sich für Harmonien, Texturen, Brüche, Texte, Melodien. Sein Instrument perfekt zu beherrschen, reicht für die Erwähnung im Podcast erfrischender Weise nicht aus. Deshalb gibt es immer wieder spannende Entdeckungen.

Zum Beispiel eine Band aus Texas "Seryn".

Hört selbst: http://www.serynsound.com/

Wenn man sich dann erst einmal auf der Internetseite verloren hat, kommt man früher oder später zu den  Tiny Desk Concerts. Da erwarten einen richtige Perlen. Ich hab keine Ahung, wie die das schaffen auf so kleinem Raum so großartige Musik zu zaubern. Ich wünschte mir jedenfalls, der tiny desk stünde irgendwo in meiner Nähe...

Sonntag, 2. Juni 2013

"Nashville" - Holt Eure Boots raus!

Arne Willander vom "Rolling Stone" ist Schuld. Wieder mal bin ich einer Serie verfallen. Nachts durchmachen, um noch schnell eine Folge zu sehen. Kein Problem, wenn man süchtig ist. Droge der Wahl diesmal die USamerikanische Serie "Nashville".


Der Plot ist schnell erzählt. Zwei weibliche Country-Stars (eine 40, die andere 25 Jahre alt) wollen sich in Nashville mit ihrer Musik behaupten. Sie sind verstrickt in komplizierte Beziehungen. Manager machen ihnen das Leben schwer. Sie haben es nicht leicht. Das kompensieren sie mit Songwriting. Wobei wir bei meinem eigentlichen Thema sind. Die Geschichte der Serie ist nicht so spektakulär. Anders verhält es sich mit der Musik.

Die Macher der Serie haben für die Rollen Schauspieler gecastet, die allesamt singen können. In jeder Folge gibt es mindestens einen herausragenden Song, den man immer wieder hören mag. Kein Wunder. Produziert hat Meister T-Bone Burnett himself. Supervising Music Editor ist Jen Monnar. Das die etwas von Soundtracks versteht, hat sie bei Filmen wie "London Boulevard" und "(500) Days of Summer" bewiesen. Kostprobe gefällig?

Change Your Mind

At the End of the Day

Something stronger than me

Vor allem die beiden weiblichen Hauptfiguren Rayna und Juliette sind der Fantasie von Callie Khouri entsprungen, die mit dem wunderbaren Film "Thelma und Louise" zu Oscar-Ehren kam. Es sind starke Figuren. Aber, leider sind sie gefangen in den Country-Song-Klischees, die in einer Südstaatenserie wohl vorkommen müssen. Wir haben den Patriarchen, der mit Geld alles kauft (außer seine Tochter Rayna, die immer widersteht). Die drogenabhängige Mutter, die Juliette das Leben schwer macht. Und so einige Typen, in die sich die Protagonistinnen verknallen, am Ende aber entweder der einen großen Liebe nachlaufen oder jegliches Vertrauen in ebendiese verloren haben. Daneben gibt es einen weiteren Handlungsstrang über aufstrebende, junge Musiker in Nashville. Die jobben im "Bluebird Cafe", spielen an Open-Mic-Abenden in den Clubs der Stadt und hoffen auf irgendeinen Plattendeal. Das alles sieht aus, wie eine Fortsetzung des Films "Thing called Love", der es nie in unsere Kinos geschafft hat, jetzt aber in einer schönen DVD-Box herauskommt. T-Bone Burnett hatte auch dort schon seine Finger im Spiel.

Ein weiterer Meister steuert für"Nashville" Material bei. Elvis Costello schrieb den Song Twist of Barbwire. Die wunderbare Rosi Golan half bei einem Song, ebenso wie Lucinda Williams. John Paul White von den fabelhaften Civil Wars dachte sich mit Arum Rae  If I Didn´t Know Better  aus, für mich eines der schönsten Lieder in der Serie.

Drei Folgen wurden von Paul McCrane inszeniert. Den kennen wir aus dem Musikfilm "Fame". Da kann der entsprechende Song, den Hayden Panetierre singt kein Zufall sein. Das mit dem Singen macht sie ziemlich gut. Bislang kannte ich sie nur als kleine Klitschko-Freundin, aber sie zeigt in der Serie durchaus, dass sie mehr kann: Nothing in this world

Sicher noch häufiger wird man von den Stella Sisters hören, in der Serie als Kinder von Rayna dabei. Sie sind unglaublich. Gefunden wurden sie durch ein You-Tube-Video. Hört und seht selbst:Ho Hey

Fazit:  Ich freue mich auf die nächste Staffel. Auf offene Wunden, blutende Herzen, Prügeleien und Schnaps. Denn das habe ich gelernt, daraus macht man die schönsten Songs in Nashville.




Sonntag, 26. Mai 2013

Ally Condie "Die Auswahl Cassia & Ky"


In der Buchhandlung findet man Ally Condies Buch "Die Auswahl" wahrscheinlich bei den Jugendbüchern oder den Bestsellern. Stimmt beides. Condie hat ihre Geschichte für die Erwachsenwerdenden geschrieben. Sie beginnt an Cassias 17. Geburtstag. Dem Tag, an dem ihr die "Gesellschaft" mitteilt, mit wem sie verpaart wird. Man kann sich seinen Partner nämlich nicht einfach selbst aussuchen und frei entscheiden, wann man wen küßt und mit wem man sein weiteres Leben verbringen wird. Ebensowenig kann man sich allein aussuchen, welchen Beruf man später ausüben wird oder wann das eigene Leben zu Ende ist. Auch der Tod ist in jener Welt schon vorbestimmt. Ist der 80. Geburtstag da, löst sich alles auf. In Cassias Fall wird ihr bester Freund zum Lebenspartner bestimmt. Ein Grund zur Freude. Nur als sie am Abend den Microchip mit allen weiteren Informationen lesen will, erscheint nicht das Bild von Xander, sondern das von Ky. Einem adoptierten Jungen aus der Nachbarschaft. Cassia ist verwirrt und im Verlauf der Geschichte hin und her gerissen zwischen ihren Gefühlen, den Verpflichtungen den Eltern und der Gesellschaft gegenüber. Die vielen Fragen in ihrem Kopf führen auch dazu, dass sie ihre Umgebung aufmerksamer beobachtet. Dabei stellt sie fest, vieles ist nicht so, wie sie es sich lange ausgemalt hatte.

Condie hat ein gutes Buch geschrieben. Das allein reicht aber nicht aus, um den großen Erfolg der Geschichten um Cassia und Ky zu erklären. Inzwischen gibt es bereits drei Bücher, alle verkaufen sich sehr gut.

Es könnte daran liegen, dass Leserinnen und Leser genug haben von den "Bellas", die gerettet und beschützt werden müssen und ansonsten in trübsinniges Brüten verfallen. Sie wollen vielleicht mehr von diesen wunderbaren Charakteren wie Katniss Everdeen sehen. An diese gelungene Mädchen-/Frauenfigur fühle ich mich jedenfalls erinnert, wenn ich über Cassia lese. Klar es liegt auch am Sujet. Bei Condie gibt es eine kontrollierte, totalitäre Welt, es gibt Provinzen, denen spezielle Aufgaben zugeteilt wurden. Allerdings ist die Gesellschaft nicht so offensichtlich brutal, wie in "Die Tribute von Panem". An die Qualität dieser Bücher reicht Ally Condie zwar nicht heran. Ihre Figuren bleiben teilweise zu oberflächlich, manche Entscheidung nicht gänzlich nachvollziehbar andere wiederum sind zu vorhersehbar. Auch die Welt ist nicht ganz stimmig. Aber das ist nicht so schlimm, die Geschichte ist trotzdem fesselnd.

Fazit: Wer "Die Tribute von Panem" mochte und von "Twilight" genug hat, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Diana Gabaldon "Feuer und Stein"

 

Weiter geht es mit meinem TOP 100-Projekt der besten SF- und Fantasy-Literatur.

Das ist der Moment, an dem ich etwas eingestehen muss: Ja, ich habe Liebesromane gelesen, am liebsten "Julia" und "Baccara" aber auch alle möglichen Arztromane. Die habe ich ungefähr genauso verschlungen, wie Jugendromane in denen Pferde vorkamen und Krimis. Von all diesen Leseleidenschaften habe ich mich in den letzten 25 Jahren verabschiedet.

Nun hat mich aber mein Leseprojekt wieder in diese Gefilde geführt. "Feuer und Stein" ist der erste Teil der Highländer-Saga von Diana Gabaldon und Platz 89 auf der oben genannten Liste. Das Buch war so erfolgreich, dass inzwischen viele weitere Teile nachfolgten. Kein Wunder. Das Buch  hat alles, was man sich an guter Unterhaltung so wünscht. Eine schöne Kulisse (neulich durfte ich beim Friseur einem Gespräch lauschen, in dem es um die Reise von zwei Frauen an die Orginalschauplätze ging...), ein packendes, weil schönes und starkes Liebespaar, das natürlich unglaublich schwierige Umstände zu bezwingen hat. Dabei fließt viel Blut, wird gemordet, gesoffen, geprügelt und im Anschluss anständig in den Armen gelegen. Bei der Kälte, die da in den Bergen herrscht, verstehe ich es, wenn man sich gemeinsam unter den Mantel kuscheln und sich ordentlich aneinander reiben muss. Oder im Sommer. Wer läßt schon gern einen Heuhaufen stehen, wenn man nicht weiß, ob man am nächsten Tag im Verlies landen wird. Also für mich ist das total nachvollziehbar :-)

"Feuer und Stein" ist eines von diesen Büchern, von dem ich quasi aufgesogen wurde. Für Feingeiste ist das natürlich nichts. Es ist auch nur mäßig emanzipatorisch. Aber es macht richtig Laune. Schon mal für den Sommer (der kommt ganz, ganz bestimmt) hinlegen. Liest sich aber auch im Regen bei einer Tasse Tee prima. Wenn Euch der Einband peinlich ist, kann man ja einfach einen Schutzumschlag drum machen! Es lohnt sich.

Montag, 20. Mai 2013

Helmut Krausser "Schmerznovelle"

Helmut Krausser hat eine Kolumne in der Zeitschrift "bücher". Er wiederentdeckt dort Klassiker. Ich lese die sehr gern, weil sie klug und gewitzt ist. Außerdem läuft er nicht dem feuilletonistischen Geschmack hinterher. Gerade neulich hat er Gaiton Gasdanow, der wochenlag Kritikerliebling gewesen ist, in der Luft zerfetzt. Herrlich.

Tom Tykwer nannte das Büchlein "das beste Krimipornomelodram aller Zeiten". Soweit würde ich nicht gehen, aber ob man nicht lieber die "Schmerznovelle" anstatt "Shades of Grey" lesen sollte, diese Frage stelle ich schon in den Raum.

Ein Arzt macht an einem idyllischen Fleckchen in den Bergen Urlaub. Dabei trifft er auf Johanna Maria Palm. Ist es am Beginn medizinisches Interesse und der Ehrgeiz, einen offenbar aussichtslosen Fall zu lösen, verstrickt er sich sehr schnell in Johannas erotische Spiele. Aber sind das tatsächlich Spiele oder ist es doch bitterer Ernst, was ist Realität und was Erdachtes? Auf der Suche nach Johannas Geheimnissen deckt der Arzt auch seine eigenen auf.

Krausser hat die Form einer Novelle gewählt und läß schon in seinem Buchtitel die "Traumnovelle" anklingen. Natürlich aus gutem Grund. Es gibt viele Bezüge zu Schnitzler. Erfreulich ist, wie Krausser die Form der Novelle ausfüllt. Da gibt es den Konflikt, den Normenbruch. Und einmalig ist das Geschehnis auf jeden Fall.  Wie sich der Arzt in die Frau verliebt, ihr verfällt, stellt den Wendepunkt in seinem Leben und dem dieser gelungenen Novelle dar. Als hätte er das Lehrbuch zum Novellenschreiben neben sich liegen gehabt, wechselt Krausser zwischen ausführlich beschriebenen Teilen, vor allen den Höhe- und Wendepunkten der Geschichte und nur kurzen, protokollartigen Passagen. Eigentlich perfekt für den Deutschunterricht. Allerdings etwas zu viel SM und anderweitige sexuelle Spielarten.

Denn auch daran versucht sich Krausser. Erotik an der Grenze zur Pornografie. Dafür ist er sehr gescholten worden. Fast reflexartig sind die Kritiker über ihn hergefallen. Für mich teilweise verständlich. Ich kann mich an kein deutsches Buch erinnern, in dem ich bessere Schildungen von erotischen Spannungen und Sex gelesen habe. Inwieweit, die allerdings für die Geschichte tatsächlich immer nötig sind... Da fühlte ich mich doch an der ein oder anderen Stelle an den klassischen pornografischen Roman erinnert. Das mag auch daran liegen, dass Krausser, der viel für den Film geschrieben hat, in seinen Schilderungen zweifellos auf den Effekt abzielt. Seine Personen bleiben dabei manchmal auf der Strecke, ihnen fehlt die Tiefe und die Geschichte wirkt arg konstruiert.  Aber es ist an keiner Stelle langweilig und bei wieviel deutschen Büchern kann man das schon sagen.

Mit Sätzen wie "Ein schwerer September lastete auf dem Ort."oder "Ein kurzer Gedanke, ein Laut, ihr brechendes Genick, eigentlich ein entzückender Hals." zeigt er, was er kann. Krausser braucht nicht viele Worte, um den Leser zu fesseln.

In meinem Fazit lasse ich noch einmal Tykwer zu Wort kommen, der sehr treffend gesagt hat: "Ein Buch, nach dem man sich fühlt, wie nach einer langen Nacht des Fremdgehens: verschwitzt, schuldig, erregt... Ein böses, wundes, verzauberndes Buch."

Ach, und noch ein Lob an den Rowohlt-Verlag für den gelungenen Einband. Cordula Schmidt ist eine Gestaltung gelungen, die sich in Inhalt und Form ganz auf die Novelle einstellt und ihr in nichts nachsteht.


Montag, 13. Mai 2013

James Frey "Das letzte Testament der Heiligen Schrift"

Diese Buch ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert.  Erwirbt man die Printausgabe im Buchhandel bekommt man gleich den Zugangscode für das E-Book dazu. Mir hat das gefallen. Bin ich zu Hause bevorzuge ich die papierne Variante. Unterwegs allerdings ist die elektronische Version einfach praktischer. In meiner Handtasche, vom Liebsten eh gern als Mary-Poppins-Tasche bezeichnet, gibt es schnell Eselsohren oder Schlieren. Nicht schön.

Auf Seite 7 gibt es die nächste Überraschung. Die deutsche Übersetzung stammt nicht von einem Autor sondern gleich von 13 Schriftstellern. So unterschiedliche Stimmen, wie die von Juli Zeh, Harry Rowohlt, Gerd Haffmans, Alexa Henning von Lange, Tina Uebel oder Clemens J.Setz finden sich darunter.

James Frey hat jedem Kapitel im Buch eine Person zugeordnet. Jede von ihnen erzählt eine Episode aus dem Leben der Hauptperson Ben. Was im Orginal James Frey allein meistern musste, jedem Abschnitt einen eigenen Ton zu geben, übernehmen in der Übersetzung die 13 deutschen Autoren. Das funktioniert.

Weniger funktioniert für mich die Geschichte. Wir befinden uns im New York unserer Zeit, und zwar nicht in dem von Nick McDonnells Elite, sondern in dem der Penner und Junkies, der Huren und Obdachlosen. Ben lebt unter ihnen. Aus den Berichten der 13 Zeugen erfahren wir, was ihm passiert ist, was er getan hat. Darunter sind, wie es sich für einen richtigen Messias gehört ziemlich unglaubliche Sachen, so überlebt er einen schweren Unfall, heilt selber Menschen. Er gibt Liebe und nimmt sich welche. Er redet gegen die Kirche und wird dafür verachtet.

Eigentlich nicht uninteressant und am Anfang nimmt mich Frey auf seine erbarmungslose Reise durch das New York der Armen auch noch mit. Er schildert glaubhaft. Dabei kommt es mir, im Gegensatz zu manchem Kritiker auch nicht darauf an, ob er Drogen, Sex und Gewalt selbst erlebt hat. Bis zur Hälfte des Buches entsteht ein schöner Spannungsbogen, man fiebert der Auflösung entgegen. An der allerdings scheitert Frey, denn das was er uns anbietet, ist eine esoterische Hippiekommune, in der jeder jeden liebt: Love is the answer...

Das hat mich sehr enttäuscht. Denn wenn ich als Autor ein solch gewagtes Thema, in der heutigen Zeit anpacke, dann muss ich doch auch eine glaubwürdige Pointe parat haben. James Frey, will mir scheinen, glaubt selbst nicht an seinen Helden und sein Ende. Schade.

Der Verlag "Haffmans & Tolkemitt" hat einen Autor verlegt, der als einer die interessantesten Stimmen in den USA gilt. Sicher auch wegen seiner bewegten Vergangenheit. Er war drogensüchtig und hat dies in seinem Debüt verarbeitet. Allerdings wurde ihm später unterstellt, er habe nicht alles selbst erlebt. Ich für meinen Teil bin mit dem Buch zwar nicht ganz glücklich, spreche Frey aber nicht ab, dass er die brutale Realität in den USA treffend beschreiben kann. Mit einer fesselnden und pulsierenden Stimme.

Fazit: Für alle, die "Rohypnol", "Zwölf" oder "Fight Club" mögen.

Und hier noch der Song zum Buch: We are Augustines "Book of James "







Nachgeholter Anfang meiner Blogerei: Entenbrust mit Fenchel und Orangen

Für meinen Blog gab es nicht den einen Tag, an dem ich mir überlegt habe: so jetzt mache ich auch bei diesem Internettagbuch mit. Es gab unterschiedliche Ideen, die in meinem Kopf herumschwirrten. Eine davon war das Internetprojekt von Julie Powell. Die veröffentlichte ihre täglichen Kochexperimente im Netz. Sie kochte alle 524 Rezepte aus Julia Childs Buch "Mastering the Art of French Cooking" nach und wie das so mehr oder weniger gut funktionierte. Man kann sich das in dem Film "Julie & Julia" ansehen, wenn man mag. Außerdem lieh mir Moni Donsbach ihre wunderbaren französichen Kochbücher aus. davon vielleicht später noch mehr.

Hier aber erst einmal das erste Foto und Rezept für meinen Lebens.Art.Blog, das ich dann aber doch gar nicht veröffentlicht habe.

Gerade aus Frankreich zurück, will ich es nun gern nachreichen.

 Zutaten für 4 Personen:

1 Entenbrust
1 große Fenchelknolle
1 Orange
schwarze Oliven
Salz, Pfeffer, frischen Thymian, Olivenöl

Thymianblättchen von den Zweigen streifen. Fenchelknolle putzen, waschen und in gleich große, ca 1/2 cm dicke Scheiben schneiden. Orange filetieren, Saft dabei auffangen. Oliven in Scheiben schneiden.

Öl erhitzen, Fenchel darin auf beiden Seiten braun braten. Thymian, Salz, Pfeffer dazu geben. Orangenfilets, Saft und Oliven zugeben, kurz erhitzen und warm stellen.

Entenbrust von überflüssigem Fett säubern, Haut einschneiden. Mit der Haut nach unten in der Pfanne anbraten, bis ordentlich Fett ausgetreten ist. Dann wenden. Vorgang mehrfach wiederholen, bis das Fleisch durchgebraten ist.

Ich mag das Fleisch durch, aber noch saftig. Da reichen ca 15-20 min. aus.

Fleisch einen Moment ruhen lassen. Dann alles anrichten - Fertig!

Samstag, 11. Mai 2013

Sous les Canniers

Ein Ort an dem alle guten Dinge zusammenkommen, ist das Chambre d´Hôtes „Sous les Canniers“. Hier gibt es kein schlechtes Wetter, die Luft duftet mal blumig, mal würzig. Die Zikaden geben den Ton an. Hier kann man wandern, sich in die Sonne legen oder im Schatten treiben lassen.

In der Nähe von Avignon, unweit von L´Isle-sur-la-Sorgue gibt es dieses Kleinod, in dem sich jeder Urlaub paradisisch anfühlt. Charly und Moni Donsbach haben viel Arbeit, Schweiß, Kraft und natürlich auch Geld investiert. Entstanden ist ein glücklicher Ort.

Das Grundstück liegt an einem Hang, so wie auch das Haus. Mit 4 Appartments ist die Gästeschar überschaubar, man wird nie um seine Ruhe gebracht. Das gibt es so natürlich häufig in Südfrankreich. Besonders ist  „Sous les Canniers“ durch den fabelhaften Stil der Donsbachs geworden. Wahrscheinlich ist kein Trödelmarkt der Region vor ihnen sicher. Immer wieder bringen sie schöne, alte, nützliche und nutzlose Dinge von ihren Besuchen mit. Es ist wie eine Reise in eine andere Welt, wenn man in einem der schönen Zimmer wohnen darf oder durch den liebvoll angelegten und gepflegten Garten wandelt. Immer wieder kann sich das Auge an kleinen, geschmackvollen Details erfreuen. Keine Angst, es ist nicht ein einziger, großer Trödelladen geworden. Ganz im Gegenteil. Von Jahr zu Jahr verändert sich der Ort. Letztes Mal stand da noch eine Schale, heute findet sich eine alte Steinbank. Wo gerade noch alte Zinnwannen Blümchen ein Zuhause gaben, beherbergt nun ein alter Schlitten die Kräuter für die Sommerküche.

DIE SOMMERKÜCHE ist überhaupt der schönste Platz, mit großen Tischen, alten Schränken, steinernem Spülbecken, Gasherd und provencialischen Kacheln ausgestattet, will man gar nicht in einem der allerdings auch hervorragenden Restaurants der Umgebung essen gehen. Man will sich inspirieren lassen von diesem Ort, dann auf den Bauernmarkt fahren oder in den Supermarkt und das Gemüse aus Carpentras oder Cavaillon mitnehmen und loskochen. So sind die ersten Fotos für diesen Blog entstanden und die Idee über die schönen Dinge des Lebens zu berichten. Dass da eben noch viel mehr ist, als Arbeit und Politik.

Stil beweisen die Donsbachs auch im Umgang mit ihren Gästen. Sie stellen sich voll und ganz auf deren Bedürfnisse ein. Wird Ruhe gewünscht, gibt es diese. Sie sind nie um einen Tipp für einen Ausflug oder eine Wanderung verlegen. Selbstverständlich haben sie vorher alles selbst ausprobiert, sind die Wege abgegangen und haben die Spreu vom Weizen getrennt. Morgens gibt es ein Frühstück, von der Hausherrin liebevoll angerichtet, aufgetischt werden die Produkte der Region. Der Käse wird vom Hersteller der Region direkt geholt. Die Marmelade sind von Moni Donsbach selbst erdacht, sie nutzt alles, was die Natur bietet: Feigen, Äpfel, Wildpflaume, Rosmarin, Aprikosen, Kirschen, Quitten... Wenn man Glück hat und die anderen Gäste noch nicht alles aufgenascht haben, kann man sich sogar ein Glas des südfranzösischen Traums mit nach Hause nehmen.

Hier besinnt man sich auf sich selbst und kommt entspannt und glücklich zurück. Kein Wunder also, dass die Liebichs immer wieder kommen.

Wer noch weiter stöbern möchte, kann das auf der Internetseite tun: souslescanniers.info
  

Sonntag, 28. April 2013

David Nicholls "Zwei an einem Tag"

Der 15. Juli ist der Tag an dem wir über 20 Jahre jeweils einen Blick auf das Leben von Emma und Dexter werfen dürfen. Wir starten 1988, die beide haben gerade das College beendet und wissen noch nicht genau, wohin sie das Leben bringen wird. Das lesen wir dann auf den nächsten 500 Seiten und keine davon ist langweilig. Ganz im Gegenteil. Mit viel Humor und Feinfühligkeit reflektiert der Autor nicht nur die Lebensgeschichte von zwei unterschiedlichen Personen. Sondern wir dürfen auch mit ihm gemeinsam die 90er und 2000er nachempfinden. Und ja, die waren nicht immer nur nett, sondern ganz schön ätzend. Eingebunden ist alles in eine bezaubernde und mitreißende aber an keiner Stelle kitschige Freundschafts- und Liebesgeschichte. Spaß macht das Buch auch wegen des angeschlagenen Tons. Nicholls ist Drehbuchautor und so ist es nicht verwunderlich, dass man sich immer mal wieder an den ein oder andern Film erinnert fühlt (Harry und Sally, 4 Hochzeiten und ein Todesfall, Peters Friends). Sehr gute Unterhaltung!

Nachtrag: den Text zum Buch habe ich von meiner weRead-Seite retten können. Inzwischen gibt es den Film zum Buch mit Anne Hataway und Jim Sturgess (mehr von dem bitte!). Leider kommt dieser nicht an die literarische Vorlage heran. Aber das ist ja selten der Fall. (Hmmm. Da wartet doch schon die nächste Liste hinter der Ecke!). Dennoch kann man den ruhig beim Bügeln am Sonntagnachmittag schauen: One Day

Ich habe das Buch an eine sehr liebe Freundin verschenkt und auch noch Mixtape dazu gebastelt. Die Liste ist auf meiner Spotify-Seite einhörbar. Für jedes Jahr ein Lied. Mit dabei sind Transvision Vamp, Depeche Mode, Extreme, REM, Christian Kjelvander, Rosi Golan, Tindersticks, Rufus Wainwright u.a. Playlist "Zwei an einem Tag"

Freitag, 26. April 2013

Marisha Pessl "Die alltägliche Physik des Unglücks"

Die SZ ist Schuld! "Dieses Buch ist wunderbar" lautet deren Einschätzung, also habe ich Pessls 700-Seiten Werk mitgenommen. Dieser Satz bleibt mir bis zum Ende ein großes Rätsel. Erst beim zweiten Mal lese ich "Die alltägliche Physik des Unglücks" ganz. Der ersten Versuch scheitert vor Seite 75, dem ersten Auftritt von Hannah Schneider. Bis dahin muss man sich nämlich durch Berge von Fußnoten und Zitaten aus realen und erdachten Büchern quälen, wiedergegeben von der pubertierenden Blue. Eigentlich mag ich es ganz gern, mit Querverweisen angefüttert zu werden (siehe Pelewin, Das heilige Buch der Werwölfe) aber doch nicht so. Langweilig, langweilg und abermals langweilig. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin hier mal beweisen will, was Graduates von Phi Beta Kappa so alles drauf haben. Mit der Lehrerin Hannah Schneider tauchen auch noch ein paar andere Figuren auf, die Bluebloods (was für ein Wortspiel mit dem Namen der Heldin...) und es entwickelt sich eine Erwachsenwerdgeschichte mit Tochter-Vater-Konflikt, Selbstmord und nachfolgender politischer Krimigeschichte. Das ist dann doch noch ganz spannend und überraschend. Der Ton des Buches erinnert dabei an die üblichen amerikanischen Hochglanzserien, was ja nichts Schlechtes sein muss. So bei der S-Bahnfahrt kann man das schon lesen. Hab ich dann auch aber mehr als 2 Punkte gibt es von mir nicht.

John Grant " Pale Green Ghosts"


Das ist mal wieder so ein Fall, bei dem ich SEHR misstrauisch war. In den einschlägigen Journalen und Blogs wurde das Album sowas von hochgelobt.

Ich war also kritisch (und voreingenommen, was mir sonst ja völlig fremd ist... ). Dann habe ich es gehört und dachte... hmm auf jeden Fall interessant. Aber zu viel Elektrogeflirre. Da steh ich nicht so drauf.

Inzwischen habe ich die Songs wohl an die 20 Mal gehört und bin völlig hin und weg. Viel besser kann das aber der Herr Balzer aus der Berliner Zeitung/FR aufschreiben: Kammersaenger des Masochismus

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man muss einfach hören. http://johngrantmusic.com/pale-green-ghosts/

Donnerstag, 25. April 2013

Wsewolod Petrow "Die Manon Lescaut von Turdej"


Da hat mich doch der Fraktionsvorsitzende neulich auf die Russen aufmerksam gemacht. Wurde ja auch Zeit. Streife ich also am Sonnabend wieder mal durch meinen Konsumtempel und finde dieses aufregende Büchlein. Mit 124 Seiten, inklusive Anhang und Nachwort eher schmal, verbirgt sich zwischen den Seiten eine starke, herzzerreißende, romantische Liebesgeschichte.

Ein Lazarettzug fährt durch den Krieg. Es ist der 2. Weltkrieg, der den Rahmen der Handlung vorgibt. Ein sowjetischer Offizier mit angstbedingten Herzproblemen verliebt sich in die Sanitätsschwester Vera. Er ist von je her ein Eigenbrödler, ein Gottesnarr (wie ihn einer seiner Mitreisenden bezeichnet). Er "streift durch seinen Werther", natürlich Goethe im deutschen Orginal (ein Affront!). Sie dagegen ist lebenslustig, flatterhaft, wohl auch ein wenig naiv. Verliebt sich schnell und heftig, will irgendwie berühmt werden. Obwohl er den intellektuellen Austausch bei der Ärztin Nina sucht, verliebt er sich doch Hals über Kopf in das Mädchen Vera. Es ist eine völlig hoffnungslose Liebe, die nur den Moment kennt. Dieser Moment allerdings scheint grenzenlos, grenzenlos schön zu sein.

Nicht ohne Grund nennt Petrow seine Novelle "Die Manon Lescaut von Turdej". Hier wird querverwiesen und entliehen was das Zeug hält. Die Handlung selbst bezieht sich gleich auf zwei Werke. Zum einen auf eben diese "Manon Lescaut" von Prevost, zum anderen auf "Weggefährten" von Wera Panowa. Das genau macht das Bändchen in vielerlei Hinsicht interessant.

Petrow lebt seine Leidenschaft für das 18. Jahrhundert, für die Romantik voll aus. Gefühl, Leidenschaft, Individualität sind seine zentralen Themen. Er gibt seinen Lesern nämlich einige interessante Blicke auf die Romantik mit. Schön wie er über "die flammenden Menschen, die außerhalb der Form leben" schreibt. Oder darüber: "Rebellion ist spießig." Wir werden in den nächsten Monaten zum Geburtstag von Jean Paul noch ausreichend zum Thema „Romantik“ durch das deutsche Feuilleton gequält werden. Lest lieber dieses Büchlein, als all die Schlaubibeiträge.

Petrow verehrt die Kunst des 18. Jahrhunderts, das ist klar. Gleichzeitig brüskiert er damit die staatstragende Kulturpolitik in der Sowjetunion. Denn sein Hang zur Romantik ist so ziemlich das genaue Gegenteil zu dem, was gerade von sowjetischen Autoren erwartete wird. Nicht nur literarisch sind die "Helden der neuen Zeit" gefragt. Ach, mit wie viel Freude hätten wir dieses Büchlein in der DDR gelesen. Zwischen den Zeilen das gesehen, was nicht geschrieben steht. Konnten wir aber nicht, denn "Die Manon Lescaut von Turej" wurde nie veröffentlicht. Erst jetzt hat sich der WEIDLE VERLAG aus Bonn gefunden und die Novelle ans Licht befördert. Zum Glück.

Der Verlag gibt uns Lesern auch ein kleines Essay von Oleg Jurjew mit. Das ist sehr sinnvoll, erklärt sich so doch der ganze Kontext der Novelle. Jurjew stellt stark auf das Dissidententum Petrows ab. So liest man, Petrow hätte den Text aus „Ekel vor den Barbaren in den Redaktionen“ nicht veröffentlich. Vielleicht stimmt das. Vielleicht aber auch nicht. Belege für diese Behauptung werden nicht geliefert. Mich macht das ein wenig widerspenstig. Es kann auch andere Gründe gegeben haben, warum der Text vom Autor nie veröffentlicht wurde. Aber so läßt sich das Buch natürlich besser vermarkten.



Fazit: Für all jene, die über eine hoffnungslose und grenzenlose Liebe lesen wollen. Und für, die die zwischen den Zeilen zu lesen vermögen. ****

Sonntag, 21. April 2013

M. Agejew "Roman mit Kokain"



Da sitzt man in der Landesvorstandssitzung und folgt der Tagesordnung mit mehr oder weniger Engagement. Plötzlich wird einem vom Fraktionsvorsitzenden  ein kleiner Zettel zugesteckt. Darauf ein Name und ein Titel. Es wird noch schnell geflüstert, wie gut das Buch ist, und dass es unbedingt gelesen werden will. Weil es eher ungewöhnlich ist, in Sitzungen etwas jenseits von Politik zu hören, musste ich den „Roman mit Kokain“ sofort herunterladen und war schlagartig gefesselt von der Geschichte des Kokainisten Maslennikow.

Das ist für mich ungewöhnlich, denn eigentlich mag ich Drogengeschichten ganz und gar nicht, kann diesen kryptischen, verwirrenden, oft brutalen Traumzuständen nur wenig abgewinnen. Irgendwie ängstigen und bedrücken diese mich fast immer. Das wird auch beim Roman mit Kokain am Ende so sein. Zum Anfang allerdings geht es noch nicht um die Geschichte mit Kokain, sondern wie es zu dieser kommen konnte. Der erste Teil des Romans schildert das Leben des jungen Gymnasiasten Maslennikow. Wadim ist ein wunderschöner, bei den Mädchen aber auch seinen männlichen Schulkameraden äußerst beliebter junger Mann. Er ist ehrgeizig, will weg aus der Enge seines armen Elternhauses. Wobei ein Vater nicht auftaucht, lediglich die Mutter tritt in Erscheinung. Wadim scheint ihr Alles zu sein. Ihm ist sie allerdings nur peinlich und unangenehm in ihrer Armut und ihrer welken Einsamkeit.

Zwei Seiten einer Medaille. Er ist äußerlich schön, aber innerlich ein selbstsüchtiger verrottender Mensch. Gabe es irgendwann einen Augenblick, in dem er einfach nur gut war? Wenn, dann war er sicher davon so abgestoßen, dass im selben Moment schlimmstes Übel aus ihm herauskam. 

Dieses Prinzip durchzieht den gesamten Roman. Wadim selbst setzt sich mit diesem, seinem Seelenzustand auseinander. In Momenten von kalter Klarheit erkennt er, wie zerstörerisch er mit dem unschuldigen Mädchen oder der reifen Geliebten umgeht. Empfindet er in einem Moment noch Hochachtung vor dem Schulkameraden, tritt er im nächsten mit Füßen nach ihm. Er lebt dieses Prinzip bis zum bitteren Ende. Er der schöne, hoffnungsvolle, kluge Student wandelt sich unter dem Einfluss des Kokains in das genaue Gegenteil. Obwohl er erkennt, was da mit ihm passiert, ist er schon lange nicht mehr in der Lage das Blatt zu wenden. Die fremde Hilfe, die er sich erhofft, wird ihm verwehrt. Denn die Welt ist genauso und alle machen mit. 

Das alles ist fabelhaft geschrieben, die Worte perlen geradezu. In dem Roman finden sich Bilder von großer Schönheit. Wer sich an Worten und Sätzen berauschen kann, MUSS dieses Buch einfach lesen. 

Der "Roman mit Kokain" gehört zu den wieder- bzw. entdeckten Romanen aus dem russischsprachigen Raum, die in letzter Zeit in Westeuropa erschienen sind. Schön, wenn sich Verleger finden, die den Mut aufbringen, Romane und Erzählungen der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert zu verlegen. Die Kritiker sind wie die Leser begeistert von diesen Schätzen. 

Wenn es so eine spannende Entstehungsgeschichte, wie hier gibt, funktioniert die Vermarktung natürlich um so besser. Im Anhang zum Roman findet sich eine detaillierte Reportage über den Autor, der ein jüdischer Moskauer war, der lange in Istanbul gelebt hat. Spannend.


Fazit: Für Liebhaber von süchtigmachenden Worten und Sätzen. Für Menschen, die gern noch mehr über das Drum Herum von Büchern und Autoren lesen. Von mir gibt es ****

Mittwoch, 3. April 2013

Jan Korte " Geh doch rüber!"

Erstaunlicher Weise gibt es in meinem Umfeld eine Reihe von Menschen, die sich Bücher schreibend verewigen. Das Wirken reicht vom politischen Sachbuch, Beobachtungen und Reportagen hin zum Roman. Grund genug an dieser Stelle ein paar von diesen Büchern vorzustellen.

Den Anfang macht Jan Korte  mit seinen feinsten Beobachtungen aus Ost und West "Geh doch rüber!".

Was für ein Lesespaß. Mit der ersten Seite entfaltet sich ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Das bleibt bis zur letzten Seite erhalten, zwischendurch wird auch mal ein herzhaftes Lachen daraus.

Jan Korte spielt in der Bundesliga der deutschen Politik mit, ist seit 2005 Mitglied des Bundestages. Bis dahin hat er sich in den Niederungen der Parteipolitik herumgetrieben, demonstriert, argumentiert, gepöbelt und ernsthaft gekämpft. Er ist sich auch heute nicht zu Schade in Bitterfeld und Wolfen, Köthen und Staßfurt für "Schlüpper" zu streiten.

Genau darüber berichtet er in seinem leider viel zu dünnen Büchlein. In all den Jahren hat er so manche lustige Anekdote erlebt, genau beobachtet und sie jetzt aufgeschrieben. Die Geschichten sind an sich schon witzig. Das grundsympathische ist, dass Korte immer mitten drin ist. Wenn er sich über Wessis lustig macht, dann meint er auch immer sich selbst. Und wenn er über die wunderlichen Ossis berichtet, dann merkt man schnell, wie sehr er schon selbst zu einem geworden ist.

Er kann und will nicht verschweigen, dass er mit Leib und Seele bei der Sache und den Menschen ist und insofern absolut parteiisch. Ob es um die vereinigten Kleingärtner geht oder die enthusiastischen Angler, zu denen Korte sich im Übrigen selber zählt, er ist ganz bei ihnen, nimmt sie ernst und kann genau deshalb über die Wundersamkeiten lächeln.

Durch die Geschichten erhält mein einen schönen Einblick über das Zusammenwachsen unserer Republik. Aber natürlich gibt Jan Korte auch viel über sich selber preis. Man bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, wie dieser sachsen-anhaltinische Direktmandatgewinner tickt. Er berichtet über seine Kindheit unter undogmatischen Linken, über seine Zeit bei den Grünen und den Bruch im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg, den Neubeginn bei der PDS oder über den Alltag im Bundestag. Er verschweigt nicht, wie sehr sein Herz an altmodischer Rockmusik hängt und wie wenig er dem Zeitgeist hinterherlaufen mag.

Man will mit diesem Mann befreundet sein. Und was für ein Glück: ich bin es.

Danke Jahn für dieses süße Buch!

Und hier kann man es bestellen: Geh doch rüber!

Da liegt Musike drin...

    Listenzeit!

Mein Liebster hat uns ein Heimkino eingerichtet. Wir haben "Control" geschaut und mir kam die Idee, eine Musikfilmliste zu posten. Schließlich läuft bei mir immer irgendein Song im Hintergrund. Film und Musik, das kann ganz wunderbar zusammen gehen.

Zuerst habe ich mal alle Filme, in denen Musik eine zentrale Rolle spielt, aufgeschrieben. Filme über Bands, Band-Dokus, Musicals, Filme in denen gesungen oder getanzt wird. Filme aus den 40er und 50ern, die unvergesslichen 70er, 80er und natürlich die neueren Sachen. Puh! So ungefähr 50 Filme sind es geworden.

Die Musikfilme, die ich am häufigsten gesehen habe (einige kann ich mitsingen und -sprechen):

1. "The Commitments"

Ich liebe diesen Film, unangefochten Platz 1. Er ist ein wahrer Zitatenschatz. Den Soundtrack kann ich auch nach 20 Jahren immer noch ohne Langeweile hoch und runter hören. Alan Parkers Geniestreich.

Warum mir der Film Anfang der 90er so gefallen hat?

Hmm, da ist zum einen die großartige Musik. Der Sound der 80er war irgendwie ausgelutscht, da kam nichts aufregendes mehr und es war Zeit für etwas neues. Aber ich hatte noch keine Ahnung, was genau das sein konnte. Alan Parker macht ein Angebot: Dublin Soul!

Spaß machen mir Filme und Bücher, wenn sie mich zu anderen, neuen Dingen führen. Das passierte bei "The Commitments" auch. Soul war eine Welt, die ich bis dahin gar nicht kannte. Letztlich ist es aber die Aufbruchstimmung in dem Film. Da sind diese Kids, die sich entscheiden müssen. Wollen sie das Leben ihrer Eltern nachleben oder ausbrechen? Werden sie in Anbetracht von Armut und Trostlosigkeit depressiv oder schaffen sie sich selbst etwas Schönes, Wunderbares, für das es sich zu leben lohnt? Haben wir alles schon in anderen Filmen gesehen oder in Büchern gelesen. In den 90ern war es aber Alan Parkers Film, der für mich gepaßt hat. Ich habe mich dann entschieden, Beamtin zu werden und drei Mal in der Woche ins Kino zu flüchten... 

In "The Commitments" sind  Schauspieler und Sänger zu sehen, die uns später weiterhin beglücken werden. Colm Meaney wäre da zu nennen, der seine technischen Fähigkeiten als Chief O´Brien unter Beweis stellt aber auch als fieser Gangster in "Layer Cake" absolut überzeugt. Früher Höhepunkt ist dennoch seine Elvis Immitation aus "The Commitments".
Mit dabei ist auch Maria Doyle Kennedy, die sich als Sängerin versuchte (Other Voices), später aber vor allem der TV-Serie "The Tudors" als Cathrine of Aragon Glanz verlieh.
Im Hintergrund bei "Other Voices" springt ein anderes musikalisches Genie herum. Outspan Foster oder, wie er im richtigen Leben heißt: Glen Hansard. Oscarprämiert für "Once". Aber schon mit seiner Band "The Frames" hatte er sich in mein Herz gespielt (laut last-fm 523 Mal gehört...).

2. The Thing Called Love

Auf dem 2. Platz folgt ein Film, dessen Musik ich ebenfalls sehr liebe und die leider nie in der Orginalversion auf CD erschienen ist. In den Hauptrollen River Phoenix, Samantha Mathis, Dermot Mulroney und Sandra Bullock. Vor allem aber Nashville und Country-Music:

Blame it on your heart
Big Dream
Lone Star

Phoenix ist viel zu früh gestorben, seine langen Beine hätte ich gern noch häufiger gesehen (ab 0.35 min). Dafür ist Dermot Mulroney uns erhalten geblieben, sicher auch der bessere Schauspieler, wie er in vielen Filmen (Copykill, Living in Oblivion, Die Hochzeit meines besten Freundes,
About Schmidt, Zodiac, Burn after Reading, New Girl) unter Beweis gestellt hat.

Bis zu diesem Film habe ich Country-Musik immer mit Mißachtung gestraft. Das kam mir immer viel zu spießig daher. Und diese Stiefel und Hüte... Auch heute kann ich große Bereiche des Country wirklich gar nicht hören, viel zu schmalzig, die Texte eine Zumutung. Aber ich habe auch ganz und gar traumhafte Songs gehört. Es gibt diese Stelle, in der die Cafe-Besitzerin darüber spricht, wie ein richtig guter Song sein muss: ECHT. Da hat sie verdammt noch Mal recht. Das gilt nicht nur für Country.

3. The Fabulous Baker Boys

Auf Platz 3 wieder ganz andere Musik und ein fabelhaftes rotes Kleid. Jeff Bridges und Michelle Pfeiffer zusammen, achhhhhhhh wunderbar. Von den beiden gibt es haufenweise gute Filme, aber so schön wie hier hat man sie zusammen nie wieder gesehen.

Brigdes ist selbst in den albernsten Filmen ganz groß. Unerreicht und einmalig als Dude. Eine andere Facette des Dude gräbt er als alternder Country-Sänger aus und brilliert wieder als Musiker. Der Musik-Film Crazy Heart ist absolut sehenswert.

4.  Control

Der verstörend-traurigste Musikfilm und der am besten gefilmte dazu. Ian Curtis erwacht durch Sam Riley zu neuem Leben. Und Anton Corbijn darf mitfilmen.

Form und Inhalt gehen hier aufs großartigste Hand in Hand. Corbijn liebt und kennt Joy Division, er gestattet uns einen Blick auf die Trostlosigkeit, die Verzweiflung, die Offenbarung und Liebe. Menschen, die durch diesen Film nicht gerührt sind, haben womöglich gar kein Herz...

Samatha Morton war schon in "Electrical Storm" von U2 aufgefallen, obwohl sie da kein Wort sagen darf. Anton Corbijn gibt ihr Gelegenheit zu zeigen, was sie noch kann, außer gucken. Wir nehmen ihr das verliebte Teengirl ebenso ab, wie die stolze Musikerfrau und verzeifelte Mutter. Sie ist so glaubwürdig, dass "Love will tear us apart" absolut Sinn macht.

5. Walk the Line

Der eine Phoenix ist tot, der andere spielt und singt zu unserer Freude. Das Leben von Johnny Cash ist einen Film wert. Und Joaquin Phoenix läuft an der Seite von Reese Witherspoon zu wahrer Größe auf. Beide singen bewundernswert: Jackson.

6. Strictly Ballroom und 7. Moulin Rouge

Hmm, ist Strictly Ballroom wirklich ein Musikfilm, oder eher ein Tanzfilm??? Auf jeden Fall ist es ein sehr guter Buz Luhrman-Film. Der gefällt mir und meinem Liebsten so gut, dass "Love is in the air" es sogar in den Soundtrack unseres Lebens geschafft hat, wurde unsere Hochzeitsmusik.

Eine gute Vorbereitung war dieser ein wenig durchgeknallte Film für einen anderen ebenfalls sehr bunten Musikfilm von Luhrman nämlich Moulin Rouge. Ewan McGregor einer dieser Schauspieler, die unheimlich wandlungsfähig sind. Und eben auch singen können. Sehr schön sogar. Das tut er offenbar unheimlich gern. Hier eine kleine Auswahl seiner Sangeskunst:

Running to stand still
Lass of Augrihm (schnüff)
Beyon the sea 
Velvet Goldmine/Gimme Danger

Velvet Goldmine ist wiederum so ein Film, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Wegen der lustigen Klamotten und Frisuren (Velvet Goldmine) aber auch wegen Jonathan Ryhs Meyers. Den finde ich durchaus ansehenswert und singen kann der ebenfalls, wie er in einem weiteren Musikfilm (August Rush, muss man ansonsten aber wirklich nicht sehen) unter Beweis gestellt hat This Time. Aber ich will ehrlich sein, Tischtennis kann er noch besser Matchpoint.

8.  Backbeat

Die Band überhaupt sind ja wohl die Beatles. Über deren Angangsjahre berichtet Backbeat.

Die Entdeckung des Films für mich war Stephen Dorf. Leider hat der in den vergangen Jahren wirklich viel Schrott gedreht.

Beatles sind aber der Link zu einem anderen tollen Film, den ich erst neulich entdeckt habe: Across the Univers. Mit dabei ist Jim Sturgess und Evan Rachel Wood I´ve just seen a face. Die war großartig als Queen of Lousianna in True Blood.

9. Die roten Schuhe

Das ist definitiv ein Tanzfilm, eigentlich ist das DER Ballettfilm. Basierend auf einem Märchen von Hans Christian Andersen tanzt sich Moira Shearer 1948 die Füße wund. Die Rahmenhandlung ist banal und unwichtig. Relevant sind die herrlichen Aufnahmen des Balletts.

Es ist natürlich gemein, an dieser Stelle nur "Die roten Schuhe" zu nennen. Was ist mit so großartigen Filmen, wie "Ein Amerikaner in Paris", "Singing in the Rain", "Mary Poppins"? Klar das sind auch alles tolle Filme. Mich haben die Tanzszenen mit den roten Ballettschuhen aber immer besonders begeistert. Dabei kannte ich Ballett bis dahin gar nicht und klassische Musik hatte ich auch nur im Musikunterricht kennengelernt und als langweilig befunden. Mit diesem Film öffnete sich für mich die Tür zu einer neue Welt...

10. Beat Street

Vor den Commitments war Beat Street (1984). Im Prinzip derselbe Plot. Kids im Elend geben nicht auf und versuchen etwas aus ihrem Leben zu machen. Place to be: diesmal die Bronx. Musik der Stunde: Hip Hop.

Schon Mitte der 80er gedreht und in der DDR in den Kinos gelaufen. Wahrscheinlich weil genug Kapitalismuskritik drin war und Harry Belafonte  produziert hat, der kam ja schließlich auch zum Festival des politischen Liedes. Jedenfall lernten auch die Kinder in der DDR etwas über USamerikanische Jugendkultur und allerlei Breakdance-Combos entstanden. Bis heute ist Hip Hop gar nicht meine Musik aber hier mag ich sie durchaus. Wahrscheinlich, weil sie mir da noch echt erscheint. Nicht auf den puren Effekt aus, die kalkulierte Provokation.


Nicht zu vergessen sind natürlich die Filme, die ich nicht dezidiert als "Musikfilm" bezeichne, deren Soundtracks aber entschieden zum Film beitragen. Einige gelungene Beispiele:

- Das Piano
- The Hours


Ein guter  Indiependent-Film lebt zum Teil auch von der passenden Musik. Sehr hörenswerte Zusammenstellungen liefern:

- (500) Days of Summer (sehr niedlicher Film, mit hübschen filmischen Ideen und Bildern)
- Garden State (Film nicht so toll, allerdings mit Natalie Portman)
- Last Kiss (Film nicht so toll, allerdings mit großartiger Jacinda Barrett)
Nick und Norah´s infinite playlist (wer den mag, dem gefallen auch "Juno" und  "Scott Pilgrim vs. The World")


Dann gibt es natürlich haufenweise Filme, in denen Musiker Musiker spielen.  Ich denke an Filme, wie "Singles" mit Drumer Eddie Vedder oder "Reality Bites" mit David Pirner und Evan Dando.


Und nicht zu vergessen Band-bzw. Konzert-Dokus. Emmilou Harris habe ich überhaupt erst durch "The Last Waltz" von Martin Scorsese kennengelernt. Fantastischer Film.


Sehr berührend ist für mich "PJ 20", aber das hängt auch mit meiner Hingabe für die Band Pearl Jam zusammen.

Einen Konzertfim der besonderen Art habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Michael Winterbottoms "9 Songs". Manche sagen auch, es ist ein Porno. Finde ich nicht, aber viel Sex gibt es schon zu sehen. Und dazu richtig gute Musik von Elbow, Dandy Warhols, Primal Scream und Black Rebel Motorcycle Club. Deren Musik macht mich deutlich mehr an, die habe ich da das erste Mal gehört und mich sehr verliebt.

Aber schaut selbst. Viel Spaß!



Montag, 1. April 2013

Blogger schenken Lesefreude

  Das ist kein Aprilscherz! 


Am 23.04.2013 verschenke ich Bücher.

Auf die Idee hat mich die Zeitschrift "Bücher" gebracht. An eben jenem Tag im April ist der "Welttag des Buches". Hunderte von Blogger werden dann Bücher und Hörbücher verschenken.

Schöne Aktion, das was einem selber viel bedeutet an andere weiter schenken. Da kann ich nicht nein sagen.

Eigentlich soll an dem Tag eine Quizzfrage gestellt werden. Aber das finde ich langweilig. Ich habe mir was eigenes ausgedacht.

Wenn Ihr ein Buch haben wollt, müßt Ihr mir eine Buchempfehlung schicken. Damit nehmt Ihr an der Verlosung teil. Ich werde keinen Notar bei mir haben, verspreche aber nicht zu schummeln.

Zu verschenken sind auf jeden Fall: Jan Korte "Geh doch rüber", Ferdinand von Schirach "Verbrechen", Wolfgang Herrndorf "tschick", Frank Goyke (der ist aus Rostock) "Mörder im Zug". Bücher also, die ich entweder selber gern gelesen habe oder noch gern lesen möchte.

Bitte schickt mir Eure Literaturempfehlung: gargoyle.lesen@gmail.com