Sonntag, 13. Januar 2013

John Jeremiah Sullivan "Pulphead Vom Ende Amerikas"


Ich bin so leicht zu begeistern. Gerade habe ich mich noch euphorisch über Florian Illies "1913" gefreut und schon kommt das nächste geniale Buch daher. John Jeremiah Sullivans "Pulphead".

"Pulphead" ist kein Roman (ist 1913 auch nicht) aber auch kein richtiges Sachbuch (dito). Vielmehr ist es eine Sammlung von Sullivans Essays und Reportagen. Er schreibt über den Zustand der USA, über das politische System, über Kultur und Religion, über Bildung und über die Menschen, die ihm begegnet sind. Das Time Magazine schreibt: "David Foster Wallace und Hunter S.Thompson sind tot, Tom Wolfe ist so gut wie in Rente - es gibt also nicht mehr viele Autoren, die genügend Mumm und Grips haben, um es mit unserer Kultur aufzunehmen. Die sich nicht von dem ganzen Schwachsinn einschüchtern lassen. Sullivan ist einer von ihnen." Prima Zusammenfassung.

Mit großer Begeisterung, mit Freude an dem geschriebenen Wort habe ich das Buch verschlungen (eigentlich hatte ich es meinem Liebsten zu Weihnachten geschenkt...). Manches in erstaunlich an dem Buch.

Zu einen, es ist ein Sachbuch und die lese ich höchst selten (eigentlich nur wenn ich muss). Hier sind Texte, die in Zeitschriften erschienen sind, gesammelt. In Deutschland dürften die nicht sehr lang sein, schon gar nicht, wenn sie in der "GQ" veröffentlicht worden wären. Ganz das Gegenteil passiert hier. Gleich der erste Text "Auf diesem Rock will ich meine Kirche bauen" breitet sich auf 42 ! Seiten aus. Und jede einzelne davon ist ein Vergnügen!

Glaubt ihr nicht? Hier der Beweis: Upon this Rock in der GQ 

Überhaupt Texte aus der Gentlemen Quarterly? Die blättert man doch höchstens wegen der Fotos durch (Daniel Craig hat sehr blaue Augen!). In der amerikanischen Ausgabe ist das offensichtlich anders. Dort erscheinen Sullivans Texte in voller Länge und sie sind eben besagte 40 Seiten lang.

Zum anderen: Er schreibt über Dinge, für die ich mich eigentlich nicht die Bohne interessiere. Dennoch wollte ich das Buch ganz schnell durchlesen. Gut auch, wenn man einen Computer gleich neben sich liegen hat, um den Hintergrund noch ein wenig zu vertiefen. Wobei das für das Verständnis des Textes und seiner Botschaften nicht notwendig ist. So lese ich mich also nicht nur durch einen Text über christliche Rockmusik, Axl Rose und Michael Jackson, sondern erfahre auch noch etwas über das abstruse Leben von The MIZ aus MTV Real World (Für mich war nach dem tragischen Tod von Pedro Zamora Schluss, was sollte danach noch kommen.) und Peyton Swayer aus One Tree Hill. Bei den Texten geht es Sullivan vor allem um einen Statusbericht über die kulturelle Befindlichkeit der USA. Er macht das schlau, nicht mit dem gehobenen Zeigfinger desjenigen, der am Rand steht und voller Abscheu "gezwungener Maßen, rein jobmäßig" diesen Mist schauen muss (was wir aus dem deutschen Feuilleton zu Hauf kennen). Nö, Sullivan bekennt Fan von Real World zu sein und von Axl Rose. Das hält ihn nicht ab, sich selbst den Spiegel vors Gesicht zu halten und messerscharf zu analysieren.  Er schreibt darüber, wie er mit Bunny Wailer kifft (Das macht er praktisch dauernd.) und sich final mit ihm überwirft oder wie ihn Andrew Lytle (Jetzt weiß ich etwas über die Southern Argrariens, voll unnütz, voll gut.) eines Nachts sexuell schockiert. Das tut seiner Sicht auf deren Werk aber überhaupt keinen Abbruch. Voller ehrlicher Verehrung bringt er die Personen hinter den öffentlichen Bildern, die man in Sekundenschnelle bei Wikipedia abrufen kann, zum Leuchten.

So wie ich eigentlich keine Sachbücher lese, lese ich erst Recht keine über die Anfänge des Blues (war nie meine Musik, bis Jack White kam.), über den Southern Death Cult (wobei etwas Hintergrundwissen bei True Blood sicher nicht schaden kann...) oder die Mississippi-Kultur. Da würde ich mir doch erst mal was über die Kelten oder Slawen anlesen, bevor es mich nach Amerika verschlägt. Aber Sullivan schafft es. Ich widme mich über Seiten eben diesen Themen und finde sie auch noch spannend.

Bitte gebt mir mehr unnützes Wissen, das so spannend, locker, klug und witzig und subjektiv daher kommt. Ich lerne gern. 







Donnerstag, 10. Januar 2013

Meine Lieblingssongs des Jahres 2012

Wenn man so viel Bahn fährt wie ich, dann kann man nicht nur viel lesen sondern auch viel hören. Das genau mache ich jeden Tag. Ohne Musik geht gar nichts.

Beim Hören benutze ich den Scrobbler von Last.fm. Das ist so ein "Ding", das mitverfolgt, welche Musik ich so höre. Ja, klar voll das Datensammeln im Netz, also Äh-Bäh. Aber ich mach das trotzdem, bin mir der "Gefahren" bewusst.

Ich benutze den Scrobbler deshalb, weil ich selber am Ende des Jahres (oder des Monats, oder der Woche...) weiß, welche Musik ich eigentlich so am meisten gehört habe. Und weil ich ja ein großer Listenfan bin (die besten Singer/Songwriter) lege ich  mir gern zum Ende des Jahres eine Best of - Liste an. So auch für 2012.

Aufgenommen habe ich die Songs, die ich in diesem Jahr besonders viel oder besonders gern gehört habe. Nicht alle sind genau im Jahr 2012 erschienen. Manche sind schon richtig alt und ich habe sie in diesem Jahr wieder/entdeckt. Anhören kann man sich die Liste ganz einfach bei spotify: favorite songs 2012.

Mit dabei sind alte Sachen von (ein kleine Hang zu melancholischen Duetten ist erkennbar, vielleicht eine neue Liste wert ;-) )

Elbow -  Not A Job
Two Gallants - Threnody 
Titus Andronicus - A More Perfect Union 
Snow Patrol feat. Martha Wainwright - Set The Fire to The Third Bar
Rose Cousin feat. Royal Wood - All The Time It Takes To Wait
Rosi Golan feat. William Fitzsimmons - Hazy
Sivert Hoyem - Under Administration (wenn schon nicht Madrugada, dann das)

und neue (die aber irgendwie so schön altmodisch klingen)

J.D. McPherson - North Side Gal
Holly Golightly - No Big Thing (hab ich leider nur in der Version von 1996 gefunden)
Fay Hallam . Freefall
The Yearning - You Make Lovin´You Easy
Willy Moon - Yeah Yeah (ziehe ich dem Gangam-Style eindeutig vor!)

und neue, die einfach nur neu waren

Shearwater - Breaking The Yearlings
The Raveonettes - Observations
No - Stay With Me
Paul Banks - The Base (wenn schon nicht Interpol, dann das)
Tina Dico - True North
Grizzly Bear - Yet Again
EIMIC - Parade (bon iver-esk)

Den besten Trompetenpart lieferte James Chance and les Contortions - Home Is Where The Hatred Is

Mein Album des Jahres: 
Beth Orton "Sugaring Season" - Call Me The Breeze

Auch schöne Alben: 

The Avett Brothers "The Carpenter" - The Once And Future Carpenter (obwohl ich Vollbärte nicht ausstehen kann)

Loosegoats "Ideas For To Travel Down Death´s Merry Road" - For The Love Of (Erinnerungen an Lemonheads als sie noch richtig gut waren, werden wach)

The Killers "Battle Born" (rein ins Ohr und drin geblieben)


Und das ist MEIN SONG des Jahres: Kid Kopphausen "Das Leichteste der Welt"










Mittwoch, 9. Januar 2013

Muriel Barberry "Die Eleganz des Igels"

Vorsicht! Dieses Buch sollten nur Party-Bluffer und altkluge Besserwisser lesen. Eine niedliche wenn auch etwas abgelutschte Geschichte (die Freundschaft zwischen der 54jährigen Renèe und der kleine Paloma und die aufkeimende Liebe zum Pensionär Kakuro Ozu) dient nur als Rahmen für die philosophischen Ergüsse der Autorin, die doch tatsächlich auch noch Philosophie studiert hat und seit einiger Zeit (oh Wunder!) in Kyoto lebt. Unerträglich! Allerdings für Schlaubi-Partys sind Sätze wie dieser sicher genau das Richtige: "Die ganze Phänomenologie fußt auf dieser Gewissheit: Unser reflexives Bewußtsein, Zeichen unserer ontologischen Würde, ist die einzige Entität in uns, die es wert ist, dass man sie erforscht, weil sie uns vor dem biologischen Determinismus rettet." Das ist nicht ironisch gemeint!!!

Günter de Bryn "Tristan und Isolde"

Ich habe neulich diesen "Tristan und Isolde" Film gesehen. Mir ist dabei aufgefallen, dass ich den literarischen Stoff dazu noch gar nicht gelesen hatte. Dem habe ich mit de Bruyn abgeholfen (allerdings nicht mit der Großdruckausgabe). Die Geschichte ist prosaisch neu erzählt, wodurch sie natürlich lesbar wird. De Bruyn hält sich aber an das Lied von Gottfried von Straßburg. Deshalb weiß ich nun, welche Qualen die beiden erleiden musste (und dass der Film sich wirklich nur Namen und Grundmotiv leiht und mehr nicht), habe ihren Mut gegenüber Adel, Ritterschaft und Kirche bewundert und über ihren Einfallsreichtum geschmunzelt. Mehr Spaß hätte mir das ganze natürlich gemacht, wenn ich einen malerischen Historienschinken a la Follett oder Hohlbein hätte lesen können. Falls jemand von Euch da draußen so einen zu Tristan und Isolde kennen sollte, bin ich für einen Hinweis dankbar.

Karen Duve "Regenroman"

Karen Duve habe ich durch ihr Märchenbuch "Die entführte Prinzessin" kennengelernt. Davon sei das Hörbuch gelesen von Gerd Wameling (großartig) allen großen und kleinen Kindsköpfen, die Lust auf Drachen, Liebe und ander Ungeheuer haben dringend empfohlen, ich habe so gelacht.

Jedenfalls dachte ich mir, so ein richtiges Buch von der Autorin zu lesen, kann nicht schaden. "Taxi" gab es im Laden gerade nicht, also den Regenroman gekauft. Ein Hinweis auf der Rückseite, dass Männer bislang noch selten so vollständig und mit solcher Lust zur Schnecke gemacht und zur Strecke gebracht worden seine, reizte meine Kaufentscheidung zusätzlich an.

Das Zitat stimmt. Karen Duve läßt an den Männern kein gutes Haar, es gibt nur ganz widerliche Typen, einer schlimmer als der andere und man freut sich an den literarischen Hinrichtungen. Sie spart aber auf der anderen Seite auch nicht mit Hieben gegen Frauen, nicht gegen die die Opfer von männlichen Gewaltakten waren und sind oder gegen die, die sich emanzipiert haben.
Es regnet über alle 315 Seiten. Kein kleiner Sommerregen, sondern dauerhafter Regen, der die Stimmung trübt und nach und nach das Schlechte und Faule im Menschen nach außen befördert. Ein wirklich guter, brutaler Roman, der nichts für depressive Stimmungen ist.
Er gehört für mich unbedingt zu den F-Klasse-Büchern.

Alan Bennett "Cosí fan tutte"

Köstlich, köstlich, köstlich. 

"Cosi fan tutte" beschert einem ein gutes Stündchen britischen Humor. Es ist nur ein kleines Bändchen und schnell ausgelesen. Zwischen den Buchdeckeln erwacht die amüsante Geschichte eine biederen, englischen Ehepaars zum Leben, dem sein gesamtes Hab und Gut aus 32 Ehejahren abhanden kommt (sogar das Haarfärbemittel mit dem sich der Gatte heimlich den Bart färbt und die ollen Pornos, die hinter einem dicken Wälzer versteckt waren). Während er vom Geld der Versicherung versucht, die alte Ordnung wieder herzustellen, angereichert nur durch eine neue Musikanlage, nutzt sie die Gelegenheit und entrümpelt ihr Leben. Natürlich ganz britisch! Das ist so entlarvend und witzig. 

Wie sieht es eigentlich in meinem Leben aus? Ich mach mich mal auf die Suche...

Dienstag, 8. Januar 2013

Jonathan Franzen "Freiheit" und die Frage, wie soll moderne, amerikanische Literatur aussehen...

Voller Begeisterung hatte ich über Jonathan Franzens "Freiheit" geschrieben und es zum unbedingten Lesen empfohlen. Dabei bleibe ich.

Nachschicken möchte ich aber auch bei aller Euphorie ein paar kritische Stimmen. Vor allem in den USA gab es Diskussionen dazu. Kritisiert wurde, Franzen würde das Leben auf Normalverbraucherniveau wiedergeben. In der von ihm gewählten Erzählform gäbe es keinen Fortschritt, sie sei altmodisch. Vielleicht erklärt das auch, weshalb der Roman bei allem Erfolg bei den Lesern nicht in die Auswahl für den National Book Award kam.

Wer mehr dazu wissen möchte, kann das hier tun: http://www.faz.net/frankfurter-allgemeine-zeitung/feuilleton/nach-dem-begraebnis-das-ewige-glueck-11053898.html

Im gleichen Jahr sind auch noch Paul Auster "Unsichtbar", Jennifer Egan "A Visit from the Goon Sqaud", Nicole Krauss "Great House: A Novell"  und Lionel Shriver "Dieses Leben, das wir meinen" erschienen. Es lohnt sich den angesprochenen Fragen mal auf den Grund zu gehen. Davon hier bald mehr...



Montag, 7. Januar 2013

Kathryn Stockett, "The Help"



Wieder war es die Empfehlung einer Freundin, die mich zum Lesen von "The Help" brachte. Wieder bin ich froh darüber, mich auf ein Buch eingelassen zu haben.

Kathryn Stockett schreibt in ihrem Erstlingswerk über die Südstaaten der USA, genauer über das Leben in Jackson, Mississippi. Angesiedelt ist die Geschichte in den frühen 1960er Jahren. Skeeter, eine junge, ehrgeizige, weiße Frau beschließt die Geschichten der schwarzen Hausmädchen aufzuschreiben. Sie gewinnt einige "Maids", über ihr Leben in den Haushalten der weißen Gesellschaft in Jackson zu berichten. Aus diesen Erlebnissen wird ein ganzes Buch, das einschlägt wie ein Bombe.

Hat man die ersten Seiten des Buches gelesen, legt man es nicht mehr aus der Hand. Stockett stattet ihre Figuren mit viel Liebe und Feingefühl aus. Die meisten Figuren haben und gute und schlechte Seiten. Ausgenommen sind wohl nur die Haushälterin Aibileen und Miss Hilly. Aibileen bringt den Stein ins Rollen. Mutig versucht sie nach dem Tod ihres einzigen Sohnes, seinen Traum umzusetzen: ein Buch über die Geschichten der Schwarzen in Mississippi zu schreiben. Herausgefordert wird sie wiederum von Miss Hilly, der Society-Lady, die eine Initiative startet, damit jeder weiße Haushalt eine separate Toilette für die schwarzen Angestellten hat, weil diese so viele schreckliche Krankheiten übertragen würden. Bei diesen beiden Figuren geht es über das Schwarz-Weiß nicht hinaus, was aber der Geschichte durchaus angemessen ist.

Das sympathische an dem Buch sind die vielen kleinen Geschichten, über das Leben in dem es Lachen und Weinen gibt, Freude und Trauer. Weil die Figuren dadurch so lebhaft werden, fiebert man mit. Minny, Skeeter und Aibileen wachsen einem ans Herz. Ganz nebenbei lernt man auch noch ein wenig über amerikanische Geschichte. Die unfassbaren Ungerechtigkeiten, Menschen nur wegen ihrer Hautfarbe zu diskriminieren, machen wütend. Der Kampf dieser Frauen wiederum rührt einen an.

Von mir gibt es dafür ****

Und hier noch der Link zum Film für die Faulen (den habe ich aber noch nicht gesehen und kann zur Qualität nichts sagen.)

http://www.youtube.com/watch?v=UVTMkINRChk
Haruki Murakami "1Q84"
   


Manchmal muss man Autoren eine zweite Chance geben. Vor ein paar Jahren hatte ich mich schon einmal an Murakami herangewagt, es war eher eine Qual als ein Vergnügen. Über viele Jahre habe ich ihn dann einfach links liegen gelassen. Auch die euphorischen Besprechungen seines Romans "1Q84" konnten mich dazu bewegen, ihn wieder zu lesen. Da brauchte es schon die Empfehlung einer guten Freundin, Leseratte wie ich und mit einem ähnlichen Literaturgeschmack ausgestattet. Wir reden immer mal über Bücher, die uns gefallen haben. So kam ich also zu meinem neuerlichen Versuch und Murakami zu seiner zweiten Chance.

Zum Glück habe ich auf meine Freundin gehört, denn mit "1Q84" hat Murakami ein Meisterwerk abgeliefert. Er befördert den Leser in das Jahr 1984. Die Stadt: Tokio. Plötzlich aus heiterem Himmel gibt es einen zweiten Mond. Er ist das äußere Zeichen, dass in dieser Stadt zu dieser Zeit irgendetwas anders ist. Es entspinnt sich eine fantastische Geschichte um die rationale und äußerst disziplinierte Fitnesstrainerin, Masseurin und Präzisionskillerin Aomame und dem Lehrer und Hobbyschriftsteller Tengo.  Auf den über 1000 Seite fabuliert Murakami über Japan, den Literaturbetrieb, die Liebe, Einsamkeit und Entfremdung, über Hoffnung und Trost, über Glauben und Erotik. Die Geschichte erzeugt einen solchen Sog, dass man nicht aufhören kann zu lesen. Murakami spielt dabei sowohl mit der japanischen wie auch mit der globalen Pop-Kultur (Quentin Tarantino, Sofia Coppolla, Takeshi Kitano, Akira Kurosawa oder Nobuyoshi Araki).

Über "1Q84" ist in Deutschland viel gesprochen worden. Wer nachlesen möchte, was Iris Radisch und Co so zu dem Roman meinen, kann das hier tun: http://www.perlentaucher.de/buch/haruki-murakami/1q84.html . Dort gibt es auch eine kurze inhaltliche Zusammenfassung, die ich mir an dieser Stelle gespart hab.

Meine Wertung: Unbedingt lesen *****





Freitag, 4. Januar 2013

Trudi Canavan, "Sonea-Bücher" (Die Gilder der Schwarzen Magier (1-3) und Sonea (1-3)


Wie oft bin ich an diesen Büchern vorbei gegangen. Am Zeitungskiosk, in der Buchhandlung um die Ecke, auf Reisen. Überall waren die Cover mit der Magierin im schwarzen, roten oder blauen Mantel zu sehen. Ich habe oft widerstanden. Nachdem ich die elf Bände "Legend of the Seeker" beendet hatte, brauchte ich neuen ablenkenden Lesestoff. Und dann fiel mir Trudi Canavan in die Hände.

Für mich etwas erstaunlich taucht Canavan mit ihren Sonea-Büchern nicht in der TOP 100 auf. Dabei ist ihre Geschichte durchaus mit den Welten und Ereignissen von Brooks, Goodkind oder Sanderson vergleichbar.

Mich haben die drei Bände der "Gilde der Schwarzen Magier" durchaus gefesselt. Die Sonea-Bände allerdings habe ich dann eher der Vollständigkeit halber gelesen.

Sonea ist in allen 6 Bänden eine der Hauptfiguren. In den ersten 3 Bänden wird geschildert, wie sie zu einer starken Magierin, gar Schwarz-Magierin heranwächst. Canavan legt gediegene  Unterhaltungsliteratur vor. Der Sonea-Plot bedient sich bei "Harry-Potter". Wir lesen über das Leben an einer Magie-Universität, über die Ränkespiele, Freundschaften und Feindschaften. Natürlich muss auch hier die Welt vor nichts weniger als dem Untergang befreit werden. Am Rande gibt es gar noch ein wenig Romantik. In den Bänden 4-6 ist Sonea Mutter eines ebenfalls magiebegabten Sohnes, die alten Feinde lauern, neue Bündnisse müssen geschlossen werden. Naja...

Sprachlich wächst die Autorin nicht gerade über sich hinaus. Das ist manchmal schon etwas schlicht. Schlicht geht es eben leider auch in der weiterführenden Geschichte zu. Die letzten drei Bände sind wirklich äußerst simple gestrickt.

Alles in allem: für die Gilde der Schwarzen Magier gibt es gerade noch ***, für die Sonea-Bände **

Brandon Sanderson "Kinder des Nebels", "Krieger des Feuers" und "Herrscher des Lichts"




Seit einiger Zeit lese ich mich durch die TOP 100 der SF und Fantasy-Literatur. Wobei die Zahl natürlich geschummelt ist. In Wirklichkeit reden wir nicht über 100 Bücher, sondern mindestens über 500. Wie so oft reicht nämlich ein Band nicht aus. Nach dem kommerziellen Erfolg einer Geschichte folgen oft weitere Teile, oft werden es eine Trilogie oder gar ausufernde 10 bis 15 Teile. Das muss nicht schlecht sein. Meine persönliche Hitliste wird immer noch vom "Wüstenplaneten" angeführt (7 Bände) und ich möchte keines dieser Bücher missen. Auch nach wiederholtem Lesen und Nachdenken sind diese Bände einfach nur ein Genuss.

Bei den letzten Büchern der TOP 100 Liste war das allerdings nicht immer der Fall (z.B. Terry Brooks).

Brandon Sanderson gilt als einer der Superstars des Genres, der sich mit seinen "Nebel-Romanen" in die Herzen seiner Leser geschrieben hat. In der Tat. Gerade "Kinder des Nebels" ist sehr sympathisch. Die Heldin Vin ist ein junges Mädchen, das erfreulich facettenreich dargestellt wird. Überhaupt verwendet Sanderson einen guten Teil seines Buches dazu, die Figuren und das Umfeld der Geschichte auszumalen. Das macht Spaß, denn er führt uns in eine zwar vernebelte und tyrannisierte Welt. Die erwacht durch sein erzählerisches Können aber zu Leben und so will man unwillkürlich Teil der Bande werden. Selbst gestellte Aufgabe der Freunde ist es den Obersten Herrscher zu stürzen. Die Motive sind unterschiedlich. Die einen wollen Rache, die anderen den gut bewachten Schatz im Palast, jene wollen den unterdrückten Skaa ein besseres Leben bescheren und einige einfach nur ihren Spaß sprich ordentlich Adrenalin in den Adern haben. Da kommt keine Langeweile auf. Schön ist in die Geschichte verwoben, wie sich das Mädchen Vin zu einer jungen Frau entwickelt und hin und her gerissen ist zwischen ihren eigenen Ansprüchen und den Verlockungen der Welt. Zu ihrer Entwicklung gehört auch, dass sie ihre besonderen magischen Fähigkeiten entdeckt. Sie wird zu einer starken Allomantin. Im Laufe der drei Bände entwickelt Sanderson eine in sich stimmige Welt der Ars Arcanum. Das macht die Bücher auf jeden Fall besonders. Magische Fähigkeiten sind nicht einfach nur in der Welt, sondern es gibt Gründe und Erklärungen dafür. Mit der Konsequenz, die er an den Tag legt, nimmt es es mit Pad Rothfuss auf. Erfreulich ist auch, man wird nicht an Tolkien (Es gibt keine Elfen, Orks und Co.).

Warum gibt es bei mir dennoch ein Unbehagen? Wahrscheinlich weil mir die Auflösung des Ganzen nicht passt. Sanderson versucht sich in einer religionsbezogenen Erklärung seiner Welt. Da wird viel über Gott fabuliert. Sind im ersten Teil Vertrauen und Glauben noch Kategorien, die sich auf konkrete Menschen beziehen, wird es im dritten Teil viel abstrakter. So endet es dann auch mit der schönen Zusammenfassung: es gab die ganze Zeit einen Held, der die Menschheit beschützte: Gott! Hmmm, das läßt mich unbefriedigt zurück. Sehr! Das ist so schade, weil Brandon Sanderson vorher versucht aus den klassischen Klischees des Genres herauszutreten. Eigentlich gibt es das klassische Schwarz-Weiß, Gut-Böse hier nicht. Die Helden morden genauso brutal und der Machtgewinn und -erhalt ist keinesfalls ein Spaziergang, bei dem Händchen gehalten wird. Im zweiten Teil setzt er sich zum Beispiel mit der Frage von Transformationsprozessen auseinander. Etwas, was wir auch in der Realität zur Zeit beobachten dürfen (arabischer Frühling). Gerade haben wir noch die Befreiung von Diktatoren gefeiert und jetzt ist die Gesellschaft im Aufruhr und das Morden endet nicht. Am Ende dann zu Gott als Antwort zu gelangen... Nee!

Deshalb meine Wertung: Erster Teil ****, zweiter Teil *** und dritter Teil ** (wegen Gott :-) )

Ich habe die E-Books gelesen. Die sind eine Frechheit. Da wird die Hauptheldin Vin gern mal zu Din, und das nicht einmal sondern über Seiten. Grüße an den Verlag, da muss nachgearbeitet werden.