Sonntag, 24. Februar 2013

Katrin Gerlof "Teuermanns Schweigen"

-->Ich liebe Bücher und bewundere jeden, der die Gabe besitzt, ein gutes zu schreiben. Ganz genau kann ich mich deshalb an den Tag erinnern, als ich mal wieder meinen Tagesfrust in einem Kaufrausch ertränken wollte. Der Ort meiner Wahl: Dussmann – der Bücherkonsumtempel schlecht hin. Ich streife dort also so durch die Gänge, bleibe an diesem Regal stehen, mal an jenem. Plötzlich entdecke ich auf einem der Büchertische einen Namen, den ich kenne. Kathrin Gerlof steht da. Und ich nehme das Buch in die Hand und denke „Das gibt es doch nicht, hat sie es also wirklich gemacht und ein richtiges, echtes Buch geschrieben.“ Und „Hey, ich kenne ein Schriftstellerin!“. Dabei fühlte ich einen Stolz, als hätte ich das Buch selbst geschrieben. Das Buch war „Teuermanns Schweigen“. Ich habe es sofort gekauft und seit dem viele Male verschenkt.

Kathrin Gerlof kann schreiben, mit großer Wahrscheinlichkeit alles, was es zu schreiben gibt. Ich habe von ihr Artikel gelesen, kurze Werbetexte, Porträts, Reportagen,Texte für Internetseiten und jetzt eben Bücher. Keine Ahnung, ob das für sie, so wie für mich, etwas ganz Besonderes ist oder ob es für sie herausfordernd war. Was ich weiß ist, dass ihr ein ganz fabelhafter Roman gelungen ist.

Das Buch beschreibt die Heilung vom Zynismus durch das Geschichtenerzählen. Ein schöneres Credo kann man seinen Lesern als Autorin ja eigentlich gar nicht mitgeben. Die Welt, die Gerlof beschreibt, ist ziemlich trübsinnig, eben so, wie die ostdeutsche Realität tatsächlich sein kann. Sie lässt nichts aus, nicht die peinlichen Gipssäulen in den vielen plötzlich wie Pilze aus dem Boden geschossenen griechischen Restaurants, nicht den Eifer mit dem Ostdeutsche sich Wappen an ihre viel zu hohen Eisenzäune zimmern. Wie man plötzlich kommunikativ sein soll und mit flachen Hierarchien umgehen will, wo doch alle noch klar hierarchisch ticken. Da scheint es nur zwei Möglichkeiten zu geben: Heulen oder eben Zynismus pur.

Katrin Gerlof offeriert ihren Lesern eine andere Alternative. Hört einander zu, redet miteinander, phantasiert, tröstet Euch, erzählt Euch Geschichten. Denn solange eine Geschichte in Deinem Kopf ist, ist noch Leben in Dir. So jedenfalls sieht Teuermann es und wohl auch Katrin Gerlof.

Sie zeigt uns, wie das gehen kann. Markov und Teuermann tun nämlich genau das. Sie erzählen einander Geschichten. Mehr oder weniger jedenfalls (Teuermann ist etwas redseliger.). Keiner von beiden weiß, ob das Erzählte erfunden ist. Schrieb das Leben diese Pointe oder hat der andere sie nur erfunden? Es obliegt dem Zuhörer bzw. dem Leser zu entscheiden. Dieses Prinzip macht sich die Autorin auch selbst zu Eigen. Man weiß nicht, ob Markov Frau oder Mann ist, unklar bleibt, wie es mit den beiden weiter geht, nachdem sie ihrer beiden Leben radikal geändert haben. Das finde ich in Büchern oft unbefriedigend, hier aber gar nicht. Es ist das logische Ende dieser Geschichte.

Es bleibt Teuermanns Schweigen.

Donnerstag, 7. Februar 2013

Johanna Adorján "Eine exklusive Liebe"

Im Herbst 1991 setzen Vera und Istvan ihrem Leben ein Ende. Alles ist organisiert, der Hund bei den Nachbarn, Päckchen mit Geschenken für Kinder, Enkel, Freunde stehen hübsch verpackt auf dem Wohnzimmertisch. Gemeinsam mit dem Brief, der genau so, wie es das praktische Handbuch "Final Exit" vorgibt, darauf hinweist, dass kein Gewaltverbrechen vorliegt, sondern ein Doppelselbstmord.

Die Enkelin Johanna Adorján geht der Geschichte dieses ungewöhnlichen Todes nach. Vera und Istvan waren ihre Großeltern. Ungarische Juden, die in Dänemark lebten. Von den Wirren des Jahrhunderts hatte es sie dorthin verschlagen. Dort lebten sie seit 1956, dort liebten sie sich. Ob sie auch glücklich wurden, bleibt unklar. Zu verschwiegen, zu verschlossen waren die beiden.

Die Geschichte einer Familie, die Geschichte einer Liebe, die Geschichte der Enkeltochter auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer Identität. Es ist in der Tat ein bewegendes Buch und wurde von vielen gelobt. Mich läßt es dennoch etwas unbefriedigt zurück.

Die Geschichte dieses Liebespaares bekommt der Leser erzählt. Stationen ihres Lebens sind auch die Stationen der Geschichte Europas, wie sie in den Büchern steht. Holocaust, Krieg, sozialistische Diktatur, kalter Krieg. Die Autorin arbeitet heraus, warum ihre Großeltern vermutlich zu dem geworden sind, was sie waren.

Mit der Geschichte der Liebe ist es schon schwieriger. Hier muss die Autorin mutmaßen. Sie befragt Freunde und Weggefährten, flicht eigene Erinnerungen ein. Ganz auf den Grund kommt sie dem Liebespaar aber nicht. Vielleicht fehlt ihr dazu die Distanz. Nicht weil sie die Enkelin der beiden ist. Vielmehr weil sie dabei immer auch auf der Suche nach sich selbst ist. Die Passage in der sie sich in ihrer Großmutter wiederentdeckt, die sich nie geliebt, ja allein fühlte, läßt das sehr deutlich werden. Dieses Gefühl ist Adorjáns Schlüssel für den gemeinsamen Tod. Die Großmutter wollte, konnte ohne den Großvater nicht weiterleben. Die Enkelin Johanna ist immer noch auf der Suche nach dem EINEN der sie allein liebt und der ihr das tiefsitzende Gefühl der Einsamkeit nimmt. Sie überträgt diese Sehnsucht nach der einen großen Liebe auf das Ehepaar. Genau das ist es aber, was mir gegen den Strich geht. Die Großeltern hatten gute Gründe für ihre verschworene Zweisamkeit. Im Laufe ihres Lebens kommen sie immer wieder in existens- und lebensbedrohliche Situationen. Es ist der Gedanke an den anderen, die gemeinsame Liebe die Kraft gibt. Für mich sehr nachvollziehbare Gründe, warum man am Ende seines Lebens beschließt, nicht mehr voneinander zu lassen und gemeinsam den letzten finalen Schritt zu gehen. 

Es ist wunderbar, wenn man jemanden gefunden hat, mit dem man sich vorstellen kann, alt zu werden. Ich persönlich würde mir immer wünschen, dass der andere auch ohne mich weiterlebt. Was hätte alles andere für einen Sinn? Wahrscheinlich ist dieser Gedanke mein Hauptproblem mit dem Buch. Natürlich ist es irgendwie tragisch-romantisch, wenn sich ein Paar in seiner Liebe in den Tod begibt. Aber es ist auch abstoßend, diese Bedingungslosigkeit. 

Fazit: Trotz meines Unbehagens empfehle ich das Buch, denn zweifellos hat es mich sehr zum Nachdenken gebracht. Es ist ein interessanter und sehr persönlicher Blick auf eine Familie in Europa. Sprachlich gibt es nichts zu mäkeln. Johanna Adorján versteht ihr Handwerk.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Suits - Goddamn hot!

Wenn man Grippe hat, bleibt einem nichts weiter übrig, als es drei Tage über sich ergehen zu lassen. Nebenbei kann man wahlweise ein Buch lesen oder Serien gucken. Wann hat man dazu sonst schon Zeit, eine ganze Staffel am Stück zu schauen?!

Ich habe genau das einfach gemacht. Lesen war auch viel zu anstrengend.

Es ist kein Geheimnis, ich steh auf Männer in gut sitzenden Anzügen. Insofern war es nur folgerichtig, mich mal ausgiebig der US-Serie "Suits" zu widmen. Was man da geboten bekommt, ist äußerst erfreulich. Harvey und Mike sind eigentlich immer sehr hübsch anzusehen, selbst wenn sie nur T-Shirt oder Cardigan tragen.

Davon kann man sich hier überzeugen: Suits Trailer

Es handelt sich um die... was? ... tausendste Anwaltsserie? Die braucht ja eigentlich kein Mensch. Stimmt. Die Fälle sind auch ziemlich unwichtig. Harvey Specter (schon der Name ist Programm) ist der Closer, der beste in New York. Er ist arrogant, smart, wortgewandt, erfolgreich. Und süß! Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, woher ich das Gesicht kenne. Ein Blick ins Netz hat es mir sofort wieder in Erinnerung gerufen. Gabriel Macht spielte den nicht ganz so erfolgreichen, etwas ungepflegten, gleichwohl niedlichen Schriftsteller in "A Love Song for Bobby Long". Übrigens ein sehr anrührender und sehenswerter Film.

Harvey also stellt Mike Ross ein. Der hat ein fotografisches Gedächtnis und ist auch sonst ziemlich klug. Für den Job in einer sehr großen Anwaltskanzlei fehlt ihm aber eines, der Abschluss in Harvard. Das bleibt das Geheimnis der beiden Männer, zwischen denen sich so etwas wie eine mentorische Freundschaft entwickelt. Drum herum ergeben sich so einige Verwicklungen. Mike lernt von Harvey. Am Anfang lassen seine Anzüge noch zu wünschen übrig. Na und diese Hemden, die er manchmal trägt, sind eher putzig. Das ändert sich aber schnell. In der zweiten Staffel wiederum übernimmt Harvey etwas vom lässigen Michael-Style, oder dürfen wir das jetzt einfach nur mit ansehen???

Auch die Ladys in der Serien führen vor, wie es im Büro laufen soll. Man trägt Kleid oder Rock und auf jeden Fall, wirklich auf jeden Fall: High Heels. Weiß ja jeder, 12 Stunden am Schreibtisch sitzen, da sind hohe Absätze gar kein Problem...

Die Frauen machen ihre Sache gut, die Nebenrollen zeigen starke, selbstbewußte Frauen. Da wäre zum Beispiel die Chefin der beiden. Gespielt wird sie von Gina Torres, die in der genialen Serie "Firefly" zu sehen war. An dieser Stelle bedauere ich übrigens noch einmal, dass die schon nach der ersten Staffel zu Ende war. Die teilt aus, kann einstecken und sieht dabei immer fantastisch aus. Auch wenn Sie sich traut, manchmal etwas gewagtere Outfits zu tragen. Sie leitet schließlich die Firma, wozu soll das sonst gut sein.

Und es gibt ein Wiedersehen mit Jacinda Barret (zufällig Gabriel Machts Liebste). Die sehen wir leider viel zu selten. Ich fand sie wunderbar in "Last Kiss".Ansonsten gibt es über den Film nicht sooo viel zu sagen.

Die Serie macht mir Spaß. Warum? Weil ich nicht mit nerviger Fallaufklärungsarbeit belästigt werde (das macht Mike immer nachts mit seinem grandiosen Gedächtnis), mir nicht ewig lange Kreuzverhöre mit Tränenausbrüchen und pathetischen Reden anhören muss, weil es um die Charaktere geht, das Tempo schnell ist und alles so gut aussieht. Das ist doch ganz wohltuend nach all dem Blut und den Vampiren und dem vielen Sex in letzter Zeit...

Zu guter Letzt. Der Soundtrack ist großartig. Wie der Titeltrack Greenback Boogie von Ima Robot.


Samstag, 2. Februar 2013

J.R.R. Tolkien "Das Silmarillion"

Gerade läuft im Kino Peter Jacksons "Hobbit". Der Hobbit erzählt quasi die Vorgeschichte zum "Herrn der Ringe". Da liegt es nahe, noch ein Stück weiter zurück zu gehen und herauszubekommen, wie Tolkien sich seine ganze Märchenwelt gedacht hat. Niedergeschrieben hat er das alles im "Silmarillion".

Wen schon immer interessiert hat, woher Galadriel oder Elrond stammen, wie alt sie eigentlich so sind, was es mit den drei Ringen auf sich hat, der bekommt hier die Antwort. Das Silmarillion beginnt mit der Erschaffung der Welt und den Wesen, die diese beherrschen bzw. bevölkern. Es gibt Auskunft über die Kultur, die Sprache, die Religion. Wir erfahren, wie Sauron zu Sauron wurde und wie Morgoth ihm alles Böse lehrte. Es ist über die Geschichte Aragorns (39. Erbe von Isildur) Vorfahren zu lesen, darüber warum Elben und Zwerge sich nicht grün sind und was damals in Moria wirklich geschah. Wer Spaß am "Herren der Ringe" hatte und das Drumherum immer schon mal vertiefen wollte, für den ist "Das Silmarillion" genau das Richtige. Auch derjenige, der seine Kenntnisse in Elbisch oder Sindarin vertiefen will, findet hier viel Wissenswertes.
Staunend liest man dieses Buch. Bewunderswert ist die Phantasie, das Wissen und Können Tolkiens.

"Das Silmarillion" entfaltet dennoch nicht die gleiche Kraft, wie der Ringe-Zyklus. Kann es auch gar nicht. Es ist eine Sammmlung von Texten, die letzlich auf die Geschehnisse in Mittelerde zuführen und quasi die Vorbereitung für dieses Meisterwerk sind. Natürlich ist es interessant, was Tolkien sich alles so gedacht hat. Aber irgendwie ist es etwas für Tolkien-Nerds, wozu ich mich durchaus zähle. Die Aufnahme in die TOP 100 ist mir deshalb trotzdem etwas unverständlich. 

Mir hat es großen Spaß gemacht und natürlich muss ich jetzt sonntags unbedingt auf den Spuren der Gefährten wandeln und meinen Liebsten damit quälen, dass ich ja weiß, wie Minas Tirith entstanden ist und auch die Argonath. Und ausnahmsweise kann er nicht ständig reinrufen: da war ich ja schon... Hihi!!!