Sonntag, 28. April 2013

David Nicholls "Zwei an einem Tag"

Der 15. Juli ist der Tag an dem wir über 20 Jahre jeweils einen Blick auf das Leben von Emma und Dexter werfen dürfen. Wir starten 1988, die beide haben gerade das College beendet und wissen noch nicht genau, wohin sie das Leben bringen wird. Das lesen wir dann auf den nächsten 500 Seiten und keine davon ist langweilig. Ganz im Gegenteil. Mit viel Humor und Feinfühligkeit reflektiert der Autor nicht nur die Lebensgeschichte von zwei unterschiedlichen Personen. Sondern wir dürfen auch mit ihm gemeinsam die 90er und 2000er nachempfinden. Und ja, die waren nicht immer nur nett, sondern ganz schön ätzend. Eingebunden ist alles in eine bezaubernde und mitreißende aber an keiner Stelle kitschige Freundschafts- und Liebesgeschichte. Spaß macht das Buch auch wegen des angeschlagenen Tons. Nicholls ist Drehbuchautor und so ist es nicht verwunderlich, dass man sich immer mal wieder an den ein oder andern Film erinnert fühlt (Harry und Sally, 4 Hochzeiten und ein Todesfall, Peters Friends). Sehr gute Unterhaltung!

Nachtrag: den Text zum Buch habe ich von meiner weRead-Seite retten können. Inzwischen gibt es den Film zum Buch mit Anne Hataway und Jim Sturgess (mehr von dem bitte!). Leider kommt dieser nicht an die literarische Vorlage heran. Aber das ist ja selten der Fall. (Hmmm. Da wartet doch schon die nächste Liste hinter der Ecke!). Dennoch kann man den ruhig beim Bügeln am Sonntagnachmittag schauen: One Day

Ich habe das Buch an eine sehr liebe Freundin verschenkt und auch noch Mixtape dazu gebastelt. Die Liste ist auf meiner Spotify-Seite einhörbar. Für jedes Jahr ein Lied. Mit dabei sind Transvision Vamp, Depeche Mode, Extreme, REM, Christian Kjelvander, Rosi Golan, Tindersticks, Rufus Wainwright u.a. Playlist "Zwei an einem Tag"

Freitag, 26. April 2013

Marisha Pessl "Die alltägliche Physik des Unglücks"

Die SZ ist Schuld! "Dieses Buch ist wunderbar" lautet deren Einschätzung, also habe ich Pessls 700-Seiten Werk mitgenommen. Dieser Satz bleibt mir bis zum Ende ein großes Rätsel. Erst beim zweiten Mal lese ich "Die alltägliche Physik des Unglücks" ganz. Der ersten Versuch scheitert vor Seite 75, dem ersten Auftritt von Hannah Schneider. Bis dahin muss man sich nämlich durch Berge von Fußnoten und Zitaten aus realen und erdachten Büchern quälen, wiedergegeben von der pubertierenden Blue. Eigentlich mag ich es ganz gern, mit Querverweisen angefüttert zu werden (siehe Pelewin, Das heilige Buch der Werwölfe) aber doch nicht so. Langweilig, langweilg und abermals langweilig. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Autorin hier mal beweisen will, was Graduates von Phi Beta Kappa so alles drauf haben. Mit der Lehrerin Hannah Schneider tauchen auch noch ein paar andere Figuren auf, die Bluebloods (was für ein Wortspiel mit dem Namen der Heldin...) und es entwickelt sich eine Erwachsenwerdgeschichte mit Tochter-Vater-Konflikt, Selbstmord und nachfolgender politischer Krimigeschichte. Das ist dann doch noch ganz spannend und überraschend. Der Ton des Buches erinnert dabei an die üblichen amerikanischen Hochglanzserien, was ja nichts Schlechtes sein muss. So bei der S-Bahnfahrt kann man das schon lesen. Hab ich dann auch aber mehr als 2 Punkte gibt es von mir nicht.

John Grant " Pale Green Ghosts"


Das ist mal wieder so ein Fall, bei dem ich SEHR misstrauisch war. In den einschlägigen Journalen und Blogs wurde das Album sowas von hochgelobt.

Ich war also kritisch (und voreingenommen, was mir sonst ja völlig fremd ist... ). Dann habe ich es gehört und dachte... hmm auf jeden Fall interessant. Aber zu viel Elektrogeflirre. Da steh ich nicht so drauf.

Inzwischen habe ich die Songs wohl an die 20 Mal gehört und bin völlig hin und weg. Viel besser kann das aber der Herr Balzer aus der Berliner Zeitung/FR aufschreiben: Kammersaenger des Masochismus

Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, man muss einfach hören. http://johngrantmusic.com/pale-green-ghosts/

Donnerstag, 25. April 2013

Wsewolod Petrow "Die Manon Lescaut von Turdej"


Da hat mich doch der Fraktionsvorsitzende neulich auf die Russen aufmerksam gemacht. Wurde ja auch Zeit. Streife ich also am Sonnabend wieder mal durch meinen Konsumtempel und finde dieses aufregende Büchlein. Mit 124 Seiten, inklusive Anhang und Nachwort eher schmal, verbirgt sich zwischen den Seiten eine starke, herzzerreißende, romantische Liebesgeschichte.

Ein Lazarettzug fährt durch den Krieg. Es ist der 2. Weltkrieg, der den Rahmen der Handlung vorgibt. Ein sowjetischer Offizier mit angstbedingten Herzproblemen verliebt sich in die Sanitätsschwester Vera. Er ist von je her ein Eigenbrödler, ein Gottesnarr (wie ihn einer seiner Mitreisenden bezeichnet). Er "streift durch seinen Werther", natürlich Goethe im deutschen Orginal (ein Affront!). Sie dagegen ist lebenslustig, flatterhaft, wohl auch ein wenig naiv. Verliebt sich schnell und heftig, will irgendwie berühmt werden. Obwohl er den intellektuellen Austausch bei der Ärztin Nina sucht, verliebt er sich doch Hals über Kopf in das Mädchen Vera. Es ist eine völlig hoffnungslose Liebe, die nur den Moment kennt. Dieser Moment allerdings scheint grenzenlos, grenzenlos schön zu sein.

Nicht ohne Grund nennt Petrow seine Novelle "Die Manon Lescaut von Turdej". Hier wird querverwiesen und entliehen was das Zeug hält. Die Handlung selbst bezieht sich gleich auf zwei Werke. Zum einen auf eben diese "Manon Lescaut" von Prevost, zum anderen auf "Weggefährten" von Wera Panowa. Das genau macht das Bändchen in vielerlei Hinsicht interessant.

Petrow lebt seine Leidenschaft für das 18. Jahrhundert, für die Romantik voll aus. Gefühl, Leidenschaft, Individualität sind seine zentralen Themen. Er gibt seinen Lesern nämlich einige interessante Blicke auf die Romantik mit. Schön wie er über "die flammenden Menschen, die außerhalb der Form leben" schreibt. Oder darüber: "Rebellion ist spießig." Wir werden in den nächsten Monaten zum Geburtstag von Jean Paul noch ausreichend zum Thema „Romantik“ durch das deutsche Feuilleton gequält werden. Lest lieber dieses Büchlein, als all die Schlaubibeiträge.

Petrow verehrt die Kunst des 18. Jahrhunderts, das ist klar. Gleichzeitig brüskiert er damit die staatstragende Kulturpolitik in der Sowjetunion. Denn sein Hang zur Romantik ist so ziemlich das genaue Gegenteil zu dem, was gerade von sowjetischen Autoren erwartete wird. Nicht nur literarisch sind die "Helden der neuen Zeit" gefragt. Ach, mit wie viel Freude hätten wir dieses Büchlein in der DDR gelesen. Zwischen den Zeilen das gesehen, was nicht geschrieben steht. Konnten wir aber nicht, denn "Die Manon Lescaut von Turej" wurde nie veröffentlicht. Erst jetzt hat sich der WEIDLE VERLAG aus Bonn gefunden und die Novelle ans Licht befördert. Zum Glück.

Der Verlag gibt uns Lesern auch ein kleines Essay von Oleg Jurjew mit. Das ist sehr sinnvoll, erklärt sich so doch der ganze Kontext der Novelle. Jurjew stellt stark auf das Dissidententum Petrows ab. So liest man, Petrow hätte den Text aus „Ekel vor den Barbaren in den Redaktionen“ nicht veröffentlich. Vielleicht stimmt das. Vielleicht aber auch nicht. Belege für diese Behauptung werden nicht geliefert. Mich macht das ein wenig widerspenstig. Es kann auch andere Gründe gegeben haben, warum der Text vom Autor nie veröffentlicht wurde. Aber so läßt sich das Buch natürlich besser vermarkten.



Fazit: Für all jene, die über eine hoffnungslose und grenzenlose Liebe lesen wollen. Und für, die die zwischen den Zeilen zu lesen vermögen. ****

Sonntag, 21. April 2013

M. Agejew "Roman mit Kokain"



Da sitzt man in der Landesvorstandssitzung und folgt der Tagesordnung mit mehr oder weniger Engagement. Plötzlich wird einem vom Fraktionsvorsitzenden  ein kleiner Zettel zugesteckt. Darauf ein Name und ein Titel. Es wird noch schnell geflüstert, wie gut das Buch ist, und dass es unbedingt gelesen werden will. Weil es eher ungewöhnlich ist, in Sitzungen etwas jenseits von Politik zu hören, musste ich den „Roman mit Kokain“ sofort herunterladen und war schlagartig gefesselt von der Geschichte des Kokainisten Maslennikow.

Das ist für mich ungewöhnlich, denn eigentlich mag ich Drogengeschichten ganz und gar nicht, kann diesen kryptischen, verwirrenden, oft brutalen Traumzuständen nur wenig abgewinnen. Irgendwie ängstigen und bedrücken diese mich fast immer. Das wird auch beim Roman mit Kokain am Ende so sein. Zum Anfang allerdings geht es noch nicht um die Geschichte mit Kokain, sondern wie es zu dieser kommen konnte. Der erste Teil des Romans schildert das Leben des jungen Gymnasiasten Maslennikow. Wadim ist ein wunderschöner, bei den Mädchen aber auch seinen männlichen Schulkameraden äußerst beliebter junger Mann. Er ist ehrgeizig, will weg aus der Enge seines armen Elternhauses. Wobei ein Vater nicht auftaucht, lediglich die Mutter tritt in Erscheinung. Wadim scheint ihr Alles zu sein. Ihm ist sie allerdings nur peinlich und unangenehm in ihrer Armut und ihrer welken Einsamkeit.

Zwei Seiten einer Medaille. Er ist äußerlich schön, aber innerlich ein selbstsüchtiger verrottender Mensch. Gabe es irgendwann einen Augenblick, in dem er einfach nur gut war? Wenn, dann war er sicher davon so abgestoßen, dass im selben Moment schlimmstes Übel aus ihm herauskam. 

Dieses Prinzip durchzieht den gesamten Roman. Wadim selbst setzt sich mit diesem, seinem Seelenzustand auseinander. In Momenten von kalter Klarheit erkennt er, wie zerstörerisch er mit dem unschuldigen Mädchen oder der reifen Geliebten umgeht. Empfindet er in einem Moment noch Hochachtung vor dem Schulkameraden, tritt er im nächsten mit Füßen nach ihm. Er lebt dieses Prinzip bis zum bitteren Ende. Er der schöne, hoffnungsvolle, kluge Student wandelt sich unter dem Einfluss des Kokains in das genaue Gegenteil. Obwohl er erkennt, was da mit ihm passiert, ist er schon lange nicht mehr in der Lage das Blatt zu wenden. Die fremde Hilfe, die er sich erhofft, wird ihm verwehrt. Denn die Welt ist genauso und alle machen mit. 

Das alles ist fabelhaft geschrieben, die Worte perlen geradezu. In dem Roman finden sich Bilder von großer Schönheit. Wer sich an Worten und Sätzen berauschen kann, MUSS dieses Buch einfach lesen. 

Der "Roman mit Kokain" gehört zu den wieder- bzw. entdeckten Romanen aus dem russischsprachigen Raum, die in letzter Zeit in Westeuropa erschienen sind. Schön, wenn sich Verleger finden, die den Mut aufbringen, Romane und Erzählungen der ersten Hälfte des letzten Jahrhundert zu verlegen. Die Kritiker sind wie die Leser begeistert von diesen Schätzen. 

Wenn es so eine spannende Entstehungsgeschichte, wie hier gibt, funktioniert die Vermarktung natürlich um so besser. Im Anhang zum Roman findet sich eine detaillierte Reportage über den Autor, der ein jüdischer Moskauer war, der lange in Istanbul gelebt hat. Spannend.


Fazit: Für Liebhaber von süchtigmachenden Worten und Sätzen. Für Menschen, die gern noch mehr über das Drum Herum von Büchern und Autoren lesen. Von mir gibt es ****

Mittwoch, 3. April 2013

Jan Korte " Geh doch rüber!"

Erstaunlicher Weise gibt es in meinem Umfeld eine Reihe von Menschen, die sich Bücher schreibend verewigen. Das Wirken reicht vom politischen Sachbuch, Beobachtungen und Reportagen hin zum Roman. Grund genug an dieser Stelle ein paar von diesen Büchern vorzustellen.

Den Anfang macht Jan Korte  mit seinen feinsten Beobachtungen aus Ost und West "Geh doch rüber!".

Was für ein Lesespaß. Mit der ersten Seite entfaltet sich ein Schmunzeln auf dem Gesicht. Das bleibt bis zur letzten Seite erhalten, zwischendurch wird auch mal ein herzhaftes Lachen daraus.

Jan Korte spielt in der Bundesliga der deutschen Politik mit, ist seit 2005 Mitglied des Bundestages. Bis dahin hat er sich in den Niederungen der Parteipolitik herumgetrieben, demonstriert, argumentiert, gepöbelt und ernsthaft gekämpft. Er ist sich auch heute nicht zu Schade in Bitterfeld und Wolfen, Köthen und Staßfurt für "Schlüpper" zu streiten.

Genau darüber berichtet er in seinem leider viel zu dünnen Büchlein. In all den Jahren hat er so manche lustige Anekdote erlebt, genau beobachtet und sie jetzt aufgeschrieben. Die Geschichten sind an sich schon witzig. Das grundsympathische ist, dass Korte immer mitten drin ist. Wenn er sich über Wessis lustig macht, dann meint er auch immer sich selbst. Und wenn er über die wunderlichen Ossis berichtet, dann merkt man schnell, wie sehr er schon selbst zu einem geworden ist.

Er kann und will nicht verschweigen, dass er mit Leib und Seele bei der Sache und den Menschen ist und insofern absolut parteiisch. Ob es um die vereinigten Kleingärtner geht oder die enthusiastischen Angler, zu denen Korte sich im Übrigen selber zählt, er ist ganz bei ihnen, nimmt sie ernst und kann genau deshalb über die Wundersamkeiten lächeln.

Durch die Geschichten erhält mein einen schönen Einblick über das Zusammenwachsen unserer Republik. Aber natürlich gibt Jan Korte auch viel über sich selber preis. Man bekommt einen ziemlich guten Eindruck davon, wie dieser sachsen-anhaltinische Direktmandatgewinner tickt. Er berichtet über seine Kindheit unter undogmatischen Linken, über seine Zeit bei den Grünen und den Bruch im Zusammenhang mit dem Kosovo-Krieg, den Neubeginn bei der PDS oder über den Alltag im Bundestag. Er verschweigt nicht, wie sehr sein Herz an altmodischer Rockmusik hängt und wie wenig er dem Zeitgeist hinterherlaufen mag.

Man will mit diesem Mann befreundet sein. Und was für ein Glück: ich bin es.

Danke Jahn für dieses süße Buch!

Und hier kann man es bestellen: Geh doch rüber!

Da liegt Musike drin...

    Listenzeit!

Mein Liebster hat uns ein Heimkino eingerichtet. Wir haben "Control" geschaut und mir kam die Idee, eine Musikfilmliste zu posten. Schließlich läuft bei mir immer irgendein Song im Hintergrund. Film und Musik, das kann ganz wunderbar zusammen gehen.

Zuerst habe ich mal alle Filme, in denen Musik eine zentrale Rolle spielt, aufgeschrieben. Filme über Bands, Band-Dokus, Musicals, Filme in denen gesungen oder getanzt wird. Filme aus den 40er und 50ern, die unvergesslichen 70er, 80er und natürlich die neueren Sachen. Puh! So ungefähr 50 Filme sind es geworden.

Die Musikfilme, die ich am häufigsten gesehen habe (einige kann ich mitsingen und -sprechen):

1. "The Commitments"

Ich liebe diesen Film, unangefochten Platz 1. Er ist ein wahrer Zitatenschatz. Den Soundtrack kann ich auch nach 20 Jahren immer noch ohne Langeweile hoch und runter hören. Alan Parkers Geniestreich.

Warum mir der Film Anfang der 90er so gefallen hat?

Hmm, da ist zum einen die großartige Musik. Der Sound der 80er war irgendwie ausgelutscht, da kam nichts aufregendes mehr und es war Zeit für etwas neues. Aber ich hatte noch keine Ahnung, was genau das sein konnte. Alan Parker macht ein Angebot: Dublin Soul!

Spaß machen mir Filme und Bücher, wenn sie mich zu anderen, neuen Dingen führen. Das passierte bei "The Commitments" auch. Soul war eine Welt, die ich bis dahin gar nicht kannte. Letztlich ist es aber die Aufbruchstimmung in dem Film. Da sind diese Kids, die sich entscheiden müssen. Wollen sie das Leben ihrer Eltern nachleben oder ausbrechen? Werden sie in Anbetracht von Armut und Trostlosigkeit depressiv oder schaffen sie sich selbst etwas Schönes, Wunderbares, für das es sich zu leben lohnt? Haben wir alles schon in anderen Filmen gesehen oder in Büchern gelesen. In den 90ern war es aber Alan Parkers Film, der für mich gepaßt hat. Ich habe mich dann entschieden, Beamtin zu werden und drei Mal in der Woche ins Kino zu flüchten... 

In "The Commitments" sind  Schauspieler und Sänger zu sehen, die uns später weiterhin beglücken werden. Colm Meaney wäre da zu nennen, der seine technischen Fähigkeiten als Chief O´Brien unter Beweis stellt aber auch als fieser Gangster in "Layer Cake" absolut überzeugt. Früher Höhepunkt ist dennoch seine Elvis Immitation aus "The Commitments".
Mit dabei ist auch Maria Doyle Kennedy, die sich als Sängerin versuchte (Other Voices), später aber vor allem der TV-Serie "The Tudors" als Cathrine of Aragon Glanz verlieh.
Im Hintergrund bei "Other Voices" springt ein anderes musikalisches Genie herum. Outspan Foster oder, wie er im richtigen Leben heißt: Glen Hansard. Oscarprämiert für "Once". Aber schon mit seiner Band "The Frames" hatte er sich in mein Herz gespielt (laut last-fm 523 Mal gehört...).

2. The Thing Called Love

Auf dem 2. Platz folgt ein Film, dessen Musik ich ebenfalls sehr liebe und die leider nie in der Orginalversion auf CD erschienen ist. In den Hauptrollen River Phoenix, Samantha Mathis, Dermot Mulroney und Sandra Bullock. Vor allem aber Nashville und Country-Music:

Blame it on your heart
Big Dream
Lone Star

Phoenix ist viel zu früh gestorben, seine langen Beine hätte ich gern noch häufiger gesehen (ab 0.35 min). Dafür ist Dermot Mulroney uns erhalten geblieben, sicher auch der bessere Schauspieler, wie er in vielen Filmen (Copykill, Living in Oblivion, Die Hochzeit meines besten Freundes,
About Schmidt, Zodiac, Burn after Reading, New Girl) unter Beweis gestellt hat.

Bis zu diesem Film habe ich Country-Musik immer mit Mißachtung gestraft. Das kam mir immer viel zu spießig daher. Und diese Stiefel und Hüte... Auch heute kann ich große Bereiche des Country wirklich gar nicht hören, viel zu schmalzig, die Texte eine Zumutung. Aber ich habe auch ganz und gar traumhafte Songs gehört. Es gibt diese Stelle, in der die Cafe-Besitzerin darüber spricht, wie ein richtig guter Song sein muss: ECHT. Da hat sie verdammt noch Mal recht. Das gilt nicht nur für Country.

3. The Fabulous Baker Boys

Auf Platz 3 wieder ganz andere Musik und ein fabelhaftes rotes Kleid. Jeff Bridges und Michelle Pfeiffer zusammen, achhhhhhhh wunderbar. Von den beiden gibt es haufenweise gute Filme, aber so schön wie hier hat man sie zusammen nie wieder gesehen.

Brigdes ist selbst in den albernsten Filmen ganz groß. Unerreicht und einmalig als Dude. Eine andere Facette des Dude gräbt er als alternder Country-Sänger aus und brilliert wieder als Musiker. Der Musik-Film Crazy Heart ist absolut sehenswert.

4.  Control

Der verstörend-traurigste Musikfilm und der am besten gefilmte dazu. Ian Curtis erwacht durch Sam Riley zu neuem Leben. Und Anton Corbijn darf mitfilmen.

Form und Inhalt gehen hier aufs großartigste Hand in Hand. Corbijn liebt und kennt Joy Division, er gestattet uns einen Blick auf die Trostlosigkeit, die Verzweiflung, die Offenbarung und Liebe. Menschen, die durch diesen Film nicht gerührt sind, haben womöglich gar kein Herz...

Samatha Morton war schon in "Electrical Storm" von U2 aufgefallen, obwohl sie da kein Wort sagen darf. Anton Corbijn gibt ihr Gelegenheit zu zeigen, was sie noch kann, außer gucken. Wir nehmen ihr das verliebte Teengirl ebenso ab, wie die stolze Musikerfrau und verzeifelte Mutter. Sie ist so glaubwürdig, dass "Love will tear us apart" absolut Sinn macht.

5. Walk the Line

Der eine Phoenix ist tot, der andere spielt und singt zu unserer Freude. Das Leben von Johnny Cash ist einen Film wert. Und Joaquin Phoenix läuft an der Seite von Reese Witherspoon zu wahrer Größe auf. Beide singen bewundernswert: Jackson.

6. Strictly Ballroom und 7. Moulin Rouge

Hmm, ist Strictly Ballroom wirklich ein Musikfilm, oder eher ein Tanzfilm??? Auf jeden Fall ist es ein sehr guter Buz Luhrman-Film. Der gefällt mir und meinem Liebsten so gut, dass "Love is in the air" es sogar in den Soundtrack unseres Lebens geschafft hat, wurde unsere Hochzeitsmusik.

Eine gute Vorbereitung war dieser ein wenig durchgeknallte Film für einen anderen ebenfalls sehr bunten Musikfilm von Luhrman nämlich Moulin Rouge. Ewan McGregor einer dieser Schauspieler, die unheimlich wandlungsfähig sind. Und eben auch singen können. Sehr schön sogar. Das tut er offenbar unheimlich gern. Hier eine kleine Auswahl seiner Sangeskunst:

Running to stand still
Lass of Augrihm (schnüff)
Beyon the sea 
Velvet Goldmine/Gimme Danger

Velvet Goldmine ist wiederum so ein Film, der mir sehr ans Herz gewachsen ist. Wegen der lustigen Klamotten und Frisuren (Velvet Goldmine) aber auch wegen Jonathan Ryhs Meyers. Den finde ich durchaus ansehenswert und singen kann der ebenfalls, wie er in einem weiteren Musikfilm (August Rush, muss man ansonsten aber wirklich nicht sehen) unter Beweis gestellt hat This Time. Aber ich will ehrlich sein, Tischtennis kann er noch besser Matchpoint.

8.  Backbeat

Die Band überhaupt sind ja wohl die Beatles. Über deren Angangsjahre berichtet Backbeat.

Die Entdeckung des Films für mich war Stephen Dorf. Leider hat der in den vergangen Jahren wirklich viel Schrott gedreht.

Beatles sind aber der Link zu einem anderen tollen Film, den ich erst neulich entdeckt habe: Across the Univers. Mit dabei ist Jim Sturgess und Evan Rachel Wood I´ve just seen a face. Die war großartig als Queen of Lousianna in True Blood.

9. Die roten Schuhe

Das ist definitiv ein Tanzfilm, eigentlich ist das DER Ballettfilm. Basierend auf einem Märchen von Hans Christian Andersen tanzt sich Moira Shearer 1948 die Füße wund. Die Rahmenhandlung ist banal und unwichtig. Relevant sind die herrlichen Aufnahmen des Balletts.

Es ist natürlich gemein, an dieser Stelle nur "Die roten Schuhe" zu nennen. Was ist mit so großartigen Filmen, wie "Ein Amerikaner in Paris", "Singing in the Rain", "Mary Poppins"? Klar das sind auch alles tolle Filme. Mich haben die Tanzszenen mit den roten Ballettschuhen aber immer besonders begeistert. Dabei kannte ich Ballett bis dahin gar nicht und klassische Musik hatte ich auch nur im Musikunterricht kennengelernt und als langweilig befunden. Mit diesem Film öffnete sich für mich die Tür zu einer neue Welt...

10. Beat Street

Vor den Commitments war Beat Street (1984). Im Prinzip derselbe Plot. Kids im Elend geben nicht auf und versuchen etwas aus ihrem Leben zu machen. Place to be: diesmal die Bronx. Musik der Stunde: Hip Hop.

Schon Mitte der 80er gedreht und in der DDR in den Kinos gelaufen. Wahrscheinlich weil genug Kapitalismuskritik drin war und Harry Belafonte  produziert hat, der kam ja schließlich auch zum Festival des politischen Liedes. Jedenfall lernten auch die Kinder in der DDR etwas über USamerikanische Jugendkultur und allerlei Breakdance-Combos entstanden. Bis heute ist Hip Hop gar nicht meine Musik aber hier mag ich sie durchaus. Wahrscheinlich, weil sie mir da noch echt erscheint. Nicht auf den puren Effekt aus, die kalkulierte Provokation.


Nicht zu vergessen sind natürlich die Filme, die ich nicht dezidiert als "Musikfilm" bezeichne, deren Soundtracks aber entschieden zum Film beitragen. Einige gelungene Beispiele:

- Das Piano
- The Hours


Ein guter  Indiependent-Film lebt zum Teil auch von der passenden Musik. Sehr hörenswerte Zusammenstellungen liefern:

- (500) Days of Summer (sehr niedlicher Film, mit hübschen filmischen Ideen und Bildern)
- Garden State (Film nicht so toll, allerdings mit Natalie Portman)
- Last Kiss (Film nicht so toll, allerdings mit großartiger Jacinda Barrett)
Nick und Norah´s infinite playlist (wer den mag, dem gefallen auch "Juno" und  "Scott Pilgrim vs. The World")


Dann gibt es natürlich haufenweise Filme, in denen Musiker Musiker spielen.  Ich denke an Filme, wie "Singles" mit Drumer Eddie Vedder oder "Reality Bites" mit David Pirner und Evan Dando.


Und nicht zu vergessen Band-bzw. Konzert-Dokus. Emmilou Harris habe ich überhaupt erst durch "The Last Waltz" von Martin Scorsese kennengelernt. Fantastischer Film.


Sehr berührend ist für mich "PJ 20", aber das hängt auch mit meiner Hingabe für die Band Pearl Jam zusammen.

Einen Konzertfim der besonderen Art habe ich mir für den Schluss aufgehoben. Michael Winterbottoms "9 Songs". Manche sagen auch, es ist ein Porno. Finde ich nicht, aber viel Sex gibt es schon zu sehen. Und dazu richtig gute Musik von Elbow, Dandy Warhols, Primal Scream und Black Rebel Motorcycle Club. Deren Musik macht mich deutlich mehr an, die habe ich da das erste Mal gehört und mich sehr verliebt.

Aber schaut selbst. Viel Spaß!



Montag, 1. April 2013

Blogger schenken Lesefreude

  Das ist kein Aprilscherz! 


Am 23.04.2013 verschenke ich Bücher.

Auf die Idee hat mich die Zeitschrift "Bücher" gebracht. An eben jenem Tag im April ist der "Welttag des Buches". Hunderte von Blogger werden dann Bücher und Hörbücher verschenken.

Schöne Aktion, das was einem selber viel bedeutet an andere weiter schenken. Da kann ich nicht nein sagen.

Eigentlich soll an dem Tag eine Quizzfrage gestellt werden. Aber das finde ich langweilig. Ich habe mir was eigenes ausgedacht.

Wenn Ihr ein Buch haben wollt, müßt Ihr mir eine Buchempfehlung schicken. Damit nehmt Ihr an der Verlosung teil. Ich werde keinen Notar bei mir haben, verspreche aber nicht zu schummeln.

Zu verschenken sind auf jeden Fall: Jan Korte "Geh doch rüber", Ferdinand von Schirach "Verbrechen", Wolfgang Herrndorf "tschick", Frank Goyke (der ist aus Rostock) "Mörder im Zug". Bücher also, die ich entweder selber gern gelesen habe oder noch gern lesen möchte.

Bitte schickt mir Eure Literaturempfehlung: gargoyle.lesen@gmail.com